Teil eines Werkes 
1. Abtheilung (1854)
Entstehung
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Geographie, aufs engſte verbunden und in dieſer Verbindung ein ſehr wichtiges Element der Staatenkunde.

Dem großen Gründer der rationellen phyſikaliſchen Geo⸗ graphie, Alexander v. Humboldt, verdankt die Nationalökonomie zuerſt die Möglichkeit, dieſe wichtige Wiſſenſchaft als eine ihrer naturwiſſenſchaftlichen Grundlagen benutzen zu können. In ähn⸗ licher Weiſe machte Karl Ritter die plaſtiſche Geographie für ſie an⸗ wendbar, Dove ſpecieller die Meteorologie. Juſtus v. Liebig hat die Chemie in die Reihe dieſer Grundlagen eingeführt, die Botanik beginnt erſt jetzt für die ſepraktiſche Anwendung zugänglich zu wer⸗ den und ähnlich verhält es ſich mit der Geologie, die bisher noch zu viel mit ihrer eigenen ſichern Entwickelung beſchäftigt war, um ſchon eine vielfache praktiſche Anwendung zu geſtatten.

Die Statiſtik als ſolche lieferte beinahe unfruchtbare Reſultate, einen Ballaſt für das Gedächtniß, ſolange ſie nur Zahlenwerthe an⸗ häufte, ohne ihre gegenſeitigen Beziehungen zu zeigen. Das iſt ſeit einiger Zeit geſchehen, aber Ernſt Engel hat, ſoviel ich weiß in ſei⸗ nem Werke über die Bewegung der Bevölkerung in Sachſen, zuerſt eine ganz naturwiſſenſchaftliche Methode angewendet, indem er gleichſam mit den Zahlenwerthen experimentirt und ſie aufeinander reagiren läßt. In ähnlicher Weiſe wird man auch naturwiſſen⸗ ſchaftliche Thatſachen, z. B. die Verſchiedenheiten des Boden⸗ baues, mit den von der Statiſtik gebotenen Werthen vergleichen lernen und ſo dahin gelangen, den Einfluß des Klimas, der Ge⸗ birgsart, der Höhe u. ſ. w. durch Zahlenverhältniſſe auszudrücken.

Die hier vorliegende, wie jede Erforſchung, kann ſtets nur vom Speciellen ausgehen und durch Häufung und Grup⸗ pirung einzelner Thatſachen nach und nach zu immer allgemei⸗ nern Reſultaten vorſchreiten. Die Darſtellung des bis jetzt bereits Erforſchten gewinnt dagegen ſehr an Ueberſichtlichkeit, wenn ſie mit den allgemeinſten Reſultaten beginnt und den um⸗ gekehrten Weg vom Allgemeinern zum Beſondern einſchlägt, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß manche der allgemeinern Sätze noch etwas unſicher ſind, während alles Specielle nothwendig in That⸗ ſachen beſtehen muß.

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