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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / Anton Nowacki
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8 Begriff und Weſen des Bodens.

küſte der Vereinigten Staaten mit ihren untergegangenen Wäldern und trichterförmigen Flußmündungen iſt in Senkung begriffen. Ebenſo ſinkt die Südſpitze Grönlands langſam unter das Meer; über den Pfählen, an denen die eingewanderten Europäer ihre Kähne zu befeſtigen pflegten, und über den Ruinen verlaſſener Ge⸗ bäude haben ſich die Waſſer bereits geſchloſſen.*)

Im Vergleich zur Größe der Erdkugel ſind alle Hebungen und Senkungen der Oberfläche verſchwindend klein; aber ſchon relativ geringfügige Niveauveränderungen reichen hin, den Boden zu Meeresgrund, den Meeresgrund zu Boden zu machen.

Bei den Binnengewäſſern wiederholen ſich in kleinerem Maß⸗ ſtabe dieſelben Vorgänge, oft unter Mitwirkung des Menſchen. So⸗ lange ein Seebecken bis zum Rande mit Waſſer gefüllt iſt, können wir in Bezug auf die bedeckte Fläche von Boden nicht reden. Ge⸗ lingt es aber den Seeſpiegel zu ſenken, ſo wird oft eine ausgedehnte Bodenfläche gewonnen. Ein intereſſantes Beiſpiel hierfür finden wir am Lungernſee in der Schweiz, der im Jahre 1835 durch den Stollen am Kaiſerſtuhl, d. h. durch eine unterirdiſche Ableitung des Waſſers nach dem Sarnerſee, um die Hälfte verkleinert wurde. Der trocken gelegte Seegrund iſt zu Boden geworden.

Teile des Seegrundes können ferner dadurch zu Boden werden, daß der Seegrund auf natürlichem oder künſtlichem Wege bis über den Waſſerſpiegel aufgefüllt wird. Ein Beiſpiel hierfür gewähren uns die Quaianlagen am Zürichſee, bei denen der See ſelbſt das Material zur Ausfüllung hergeben mußte, indem der kreideweiße Seeſchlamm durch die Baggermaſchine in Kähne gehoben und aus dieſen über die Spundwand hinweg in das umfangreiche Becken geſchafft wurde, in dem die Auffüllung vor ſich ging.

Endlich können Landſeen teilweiſe oder gänzlich zuwachſen, in⸗ dem ſich der Seegrund durch hineingeführten Flußſchlamm oder durch Torfbildung bis über den Waſſerſpiegel erhöht. Beiſpiele: Zahlreiche Torfmoore in der Schweiz, in Norddeutſchland u. a. a. O.

Auch ein Flußbett kann zu Boden werden, wenn der Lauf des Waſſers eine künſtliche oder natürliche Verlegung erfährt. Beiſpiele: Flußkorrektionen, verbunden mit Durchſtechung der Serpentinen

*) H. Credner, a. a. O., S. 174 182.