Ordnung der Bandwürmer. 209
auskommen, die in einem andern Wirt zu Blaſenwürmern oder Finnen werden, aus denen der Kopf ſich bildet. Letztgenannter iſt die zweite, ungeſchlechtliche Erſcheinungsform des Bandwurms. Die Bandwürmer pflanzen ſich mithin durch Metageneſe(S. 14) fort.— Der Kopf kann, wie aus dem oben Geſagten hervorgeht, mit dem Kopfe eines andern Tieres gar nicht verglichen werden; er hat weder Mund⸗ öffnung noch Kiefer, denn der Bandwurm iſt darmlos. Der Kopf und die Glieder nehmen die im Darme des Wirts befindlichen Nährſtoffe durch ihre Körperwand osmotiſch auf. Am Gipfel des Kopfes finden ſich zum Feſtheften an der Darmwand Saugnäpfe und bei mehreren Arten ein Hakenkranz(Fig. 181 a).— Die Zahl der von einem einzigen Gliede produzierten Eier kann Tauſende, ſogar Zehntauſende betragen. Wenn dieſe Eier zu reifen anfangen, oft ſchon früher, ſondert ſich das Glied ab; bei einigen Arten werden einige noch aneinander feſtſitzende Glieder zugleich abgeſchnürt. Die Bandwurnmglieder verlaſſen den Darm ihres Wirts ſelbſtändig oder mit dem Kote. Gewöhnlich kriechen ſie, nachdem ſie zu Boden gefallen, wie Schnecken weiter und heften ſich an verſchiedenen Pflanzen feſt. Es verſteht ſich, daß leicht ent⸗ weder ein Bandwurmglied oder mehrere der von dieſem produzierten Eier von einem graſenden Tiere aufgenommen werden können. Nur wenn ein Glied reſp. die Eier inet urſtͤmmien Bundwuruude in den Darm eines beſtimmten Tieres gelangen,.. können die Eier ſich weiter entwickeln. Es iſt richtig, de Sam Pnnrnr⸗ daß von den von einem Bandwurm produzierten lium)) ſehr vergrößert. Eiern gewöhnlich bloß eine relativ geringe Anzahl zu
weiterer Entwickelung kommt, aber die ſtarke Fortpflanzung iſt Urſache, daß jedenfalls die Art nicht ausſtirbt.— Falls nun entweder ein Glied oder Eier eines Gliedes in den Darm eines paſſenden Wirts aufgenommen werden, ſo wird das Glied und die Wand der Eier, reſp. die Eiwand allein, im Magen oder im Darme verdaut und die Larven kommen heraus. Dieſe(Fig. 182) ſind kugelförmig, glasartig, natürlich mikroſkopiſch klein und tragen drei Paar Häkchen, mit denen ſie bald die Darmwand durchbohren und ſich weiter einen Weg durch die Ge⸗ webe des Wirts bahnen; auch können ſie zeitweilig mit dem Blutſtrom weitergeführt werden. Die Larve jeder verſchiedenen Art behauptet zuletzt ihren Platz nicht bloß in einem beſtimmten Tiere, ſondern ge⸗ wöhnlich auch in einem beſtimmten Organe oder Gewebe. Dort ver⸗ liert ſie ihre Haken und ändert ſich bald in einen innen hohlen Blaſenwurm(Finne) um, der wächſt, bis er eine für jede Art be⸗ ſtimmte Größe erreicht hat. Inzwiſchen bildet ſich allmählich entweder (Cysticercus) eine oder es bilden ſich(Coenurus) viele Einſtülpungen, oder(Echinococcus) es bilden ſich an der Innenſeite des Blaſenwurms neue Blaſen, von denen die meiſten wieder Einſtülpungen entſtehen laſſen, ganz wie die erſterwähnten Blaſenwürmer(Fig. 183). Immer ähneln ſich die Einſtülpungen in jeder Hinſicht einem Bandwurmkopfe;
Bos, Zoologie. 3. Auflage. 14


