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Zoologie für Landwirte : Mit 194 Textabb. / von J. Ritzema Bos
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2 Überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere.

Tierarten, insbeſondere unter den kleineren Tieren, für welche man keinen deutſchen Namen kennt. Man müßte alſo für dieſe Arten einen neuen Namen ausdenken. Es können aber die deutſchen Namen große Ver⸗ wirrungen verurſachen, denn in verſchiedenen Gegenden werden oft ſehr verſchiedene Tiere mit demſeben Namen, noch öfter aber dasſelbe Tier mit verſchiedenen Namen bezeichnet. Auch werden die aufeinander folgenden Verwandlungszuſtände desſelben Tieres gewöhnlich mit ver⸗ ſchiedenen aparten Namen benannt.Drahtwürmer ſind die Jugend⸗ zuſtände derSchnellkäſer oderSchmiede, während man unterDraht⸗ würmern auch eine Abteilung von in Menſchen und Tieren ſchmarotzen⸗ den Würmern verſteht.

Eine Verwechſelung wird unmöglich beim Gebrauche der wiſſen⸗ ſchaftlichen Benennungsweiſe von Linné. Die lateiniſchen Namen dieſes Naturforſchers haben den großen Vorzug, daß ſie nicht nur den Namen einer gewiſſen Tierart mit Ausſchluß jeder andern geben, ſondern zu⸗ gleich die Gattung andeuten, zu welcher dieſelbe gebracht wird. Ganz in derſelben Weiſe wie jeder Menſch wenigſtens zwei Namen, einen eigenen und einen Familiennamen, hat, ſo erhält auch jede Tierart zwei Namen. Der Gattungsname geht voran; dieſen beſitzen alſo alle Tiere derſelben Gattung gemeinſchaftlich. Der zweite Name iſt der Artname, welcher ausſchließlich den Tieren derſelben Art zukommt. So bringt man Haſe und Kaninchen beide in die Gattung Lepus. Der lateiniſche Name des erſteren iſt Lepus timidus(= der furchtſame Haſe), der des zweiten Lepus cuniculus(= Kaninchen⸗Haſe). Pferd= Equus caballus, Eſel= Equus asinus.

II. Überſicht über den Körperbau und die Lebens erſcheinungen der Tiere.

Als Ausgangspunkt nehme ich den Körper des Menſchen und der Hausſäugetiere, weil derſelbe meinen Leſern am beſten bekannt iſt.

Die Gliedmaßen beſtehen, von außen nach innen fortſchreitend, aus: Haut, Fleiſch und Knochen. Dieſelben Beſtandteile laſſen ſich auch am Kopfe, am Halſe und am Rumpfe unterſcheiden; aber in dieſen Körperabteilungen ſchließen ſie eine Höhle ein, die Körp erhöhle, welche wieder verſchiedene Körperteile(‚Organe) enthält, die nicht überall an der Körperwand verbunden ſind. Beigegebene Fig. 1 zeigt einen Längs⸗ ſchnitt durch den Rumpf. Die Haut iſt mit einer Linie angedeutet, Fleiſch und innere Häute ſind ſchattiert, während die Knochen ſchwarz ſind. Dieſe Teile bilden zuſammen die Körperwand. Dieſe Wand ſchließt an der Bauchſeite eine Höhle, die Körperhöhle(Kh), ein, welche bei den Säugetieren durch das Zwerchfell wieder in zwei Höhlen (Bruſthöhle= Brh und Bauchhöhle= Bh) eingeteilt iſt. In der Bruſt⸗ höhle befinden ſich die Lungen und das Herz(); auch der Schlund

der obere Teil des Darmes findet ſich daſelbſt; die Bauchhöhle