Die käuflichen Düngeſtoffe. 23
Es iſt nun nicht nötig, dem Boden alljährlich ſämtliche Stoffe wieder zuzuführen, die ihm durch den Verkauf von Getreide, Vieh ec. entzogen worden ſind, da die meiſten derſelben, wie z. B. die Kieſel⸗ ſäure, in unbegrenzter Menge im Boden vorhanden ſind, oder, wie das Natron, nur in geringſter Menge demſelben entnommen werden. Die⸗ jenigen Stoffe, die dem Boden immer wieder zugeführt werden müſſen, ſoll derſelbe nicht mit der Zeit unfruchtbar werden, ſind die in der Pflanze in größter, im Boden aber meiſt in geringſter Menge vor⸗ handenen Stoffe: Kali, Phosphorſäure und Stickſtoff, und dieſe ſind es auch, die von den Düngerfabrikanten dem Landwirte in Form mehr oder weniger reiner Präparate geliefert werden. Bei einigen, ſehr intenſiven Kulturen, wie z. B. beim Anbau der Zucker⸗ rübe, die den Boden ſtark in Anſpruch nehmen, kann es außerdem noch nötig werden, demſelben Kalk oder Magneſia einzuverleiben. Erſteres geſchieht durch das Kalken, letzteres durch Düngung mit magneſiahaltigen Kaliſalzen(ſ. dieſe).
Es tritt jetzt die ſchwierige Frage an uns heran, wann iſt es ge⸗ boten, die drei genannten Stoffe oder einen derſelben zur Düngung zu benutzen und in letzterem Falle, welchen? Hierüber herrſcht bei
den meiſten Landwirten noch viel Unklarheit und auch die Wiſſen⸗
ſchaft iſt noch lange nicht im ſtande, dieſelbe, auf den einzelnen Fall angewandt, mit abſoluter Sicherheit zu beantworten. Ich will ver⸗ ſuchen in folgendem die Prinzipien zu entwickeln, nach denen man, hinſichtlich der Düngung mit den genannten Stoffen, verfahren muß, um annähernd rationell zu wirtſchaften.
Ich unterſcheide dabei zwei Fälle, das in Frage ſtehende Acker⸗ ſtück habe bisher in jeder Hinſicht genügende Ernteerträge gegeben und es komme nur alſo darauf an, dasſelbe in dem Zuſtande zu erhalten, in dem es ſich befindet, oder aber, das in Frage ſtehende Ackerſtück ſei in ſeinen Erträgen an einer Frucht oder im ganzen zurückgegangen, und ſoll wieder auf ſeinen alten oder auf einen höheren Kulturzuſtand gebracht werden. Von beiden Fragen iſt die erſte am leichteſten zu be⸗ antworten: man gebedem Acker nach der Ernte die Stoffe zurück, die man ihm durch dieſelbe entzogen hat, oder gebe ihm von der Beſtellung die Stoffe, die ihmvoraus⸗ ſichtlich in der nächſten Ernte entzogen werden.
Um dieſe Regel befolgen zu können, iſt es nötig, daß der Land⸗ wirt über Ein⸗ und Ausgang der Mineralſtoffe ſeiner Ackerpläne genau Buch führe. Es iſt dazu nicht nötig, zu wiſſen, wieviel Mineralſtoffe überhaupt im Boden vorhanden ſind, da man ja weiß, daß dieſelben genügend ſind.
Für dieſe Buchführung könnte man etwa das nachfolgende Schema benutzen:


