2 TI haer
von Generationen völlig constant werden. Brittannien hat über dreiſsig ver- schiedene Schafarten, die sich durch charakteristische Eigenheiten unterschei- den. Man hat neuerlich durch Kunst mehrere Mittelarten hervorgebracht, und sie, wenn sie dem wirthschaftlichen Zwecke angemessen waren, dann in sich fortgepflanzt und constant gemacht. Dieser Zweck war bei den Engländern starker, schneller Fleischansatz und Mastfähigkeit, auch schnelle Vermehrung; die Wolle war ihnen nur etwas Untergeordnetes. Schafe, die auch bei mäſsiger Futte- rung und Weide schon im zweiten Jahre ihre volle Ausbildung erreichten und mehrere Lämmer brachten, dann geschlachtet ein bedeutendes Gewicht von Fleisch und Fett lieferten, war ihr Ziel, welches sie auch zuvörderst durch die Bemühungen des berühmten und bei ihnen unsterblichen Schaf- züchters Bakewell, nachmals auf andere Art durch mehrere Schafzüchter, welche seine Grundsätze befolgten, möglichst erreichten. Es ist bekannt, daſs die ausgezeichneten Stöhre seiner Race zu ungeheuren Preisen bezahlt wurden, daſs er solche auf eine Sprungzeit zu 300 Guineen vermiethete und zu 500— 600 Guineen verkaufte, ungeachtet sie in der Wolle andern ein- heimischen Racen weit nachstanden. Der grolse Bedarf und der feine Ge- schmack am Fleisch bei dieser Nation macht den hohen Werth allein er- klärbar, bei der Ueberzeugung, die man davon hatte, dals ein solcher Stöhr seine Eigenschaften, wenigstens zum Theil, auf seine Nachkommenschaft fortpflanzen, und daſs eine wiederholte Zulassung solcher Stöhre endlich eine beständige und vollkommne Erhaltung dieser Eigenschaften hervorbrin- gen werde. Durch besonders ausgewählte und überlegte Kreuzungen wuſste Bakewell alles, vas bei einem Schafe überhaupt erreichbar war, zu er- zeugen und zu vereinigen, und man sagte von ihm, daſs er sich das Ideal eines Schafes zuvor schnitze, und es dann, durch wohlgeordnete Begattun- gen, in der Wirklichkeit darstelle.
Bei uns und fast allen übrigen Europäischen Nationen ist dagegen die Wolle das Hauptziel, und das Fleisch nur ein Nebenzweck der Schaf- zucht geworden. Kein Schaf aber liefert, hinsichtlich der Feinheit und an- derer schätzbarer Qualitäten, vollkommnere Wolle als das Spanische Meri- noschaf, und deshalb sind wohl alle auf Verfeinerung der Wolle gerichtete Veredlungen durch dasselbe bewirkt.
Dies Schaf aber ist keinesweges Spanischen Ursprunges, sondern eben-


