Druckschrift 
Über Wolle und Schaafzucht / von Vicomte Perault de Jotemps, Fabry und Girod, Gesammt-Eigenthümer der Heerde zu Naz. ; Aus dem Französischen übersetzt und nach dem gegenwärtigen Standpuncte der Woll- und Schaafkenntniss in Deutschland bearbeitet von Albrecht Thaer
Entstehung
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Merinovließe uͤber ihre wirkliche Guͤte hernimmt, ſind oft truͤglich.

Man muß die Gedraͤngtheit im eigentlichen Sinne des Worts nicht mit dem Anſchein des Gedraͤngten verwech⸗ ſeln, denn jene findet ſich faſt nur bei hochfeinen Thieren, wogegen dieſe faſt immer die Anzeigen einer nur maͤßigen Feinheit giebt.

Der Vortheil, welcher aus der ausgeglichenen Fein⸗ heit aller Theile des Vließes hervorgeht, iſt von großer Wichtigkeit, und von um ſo groͤßerer je ſuperfeiner die Vließe ſind.

Ein Thier kann nicht unter die ganz vollkommenen geſetzt werden, wenn es nicht wenigſtens vier Fuͤnftel des Gewichts ſeines Vließes von Wolle des erſten Sortiments giebt, und wenn von dem uͤbrigen Fuͤnftel mehr als ein Achtel aus wirklichem ganz ſchlechten Abfall und das uͤbrige aus maͤßig guter Wolle beſteht.

Es iſt unmoͤglich, uͤber das wahre Gewichtsverhaͤltniß

zweier Vließe zu urtheilen, wenn man ſie in ihrem Fett⸗ ſchweiße wiegt, es ſey denn, daß man den Abgang, den jedes bei der Waͤſche erleidet, genau angeben koͤnne.

Die doppelte Schur, welche man ſeit einiger Zeit em⸗ pfehlen zu wollen ſcheint, weil ſie ein Mittel ſey, die Fabrikanten, welche nur kurze Wolle haben wollen, zu befriedigen, kann ohne Nachtheil nicht bei feinen Heerden eingefuͤhrt werden. Man wuͤrde ſich in den Exwartun⸗ gen davon ſehr taͤuſchen, denn ſie kann aus der mittel⸗ maͤßigen Wolle keine hochfeine machen, die alle die Qua⸗ litaͤten beſaͤße, welche zur Vollkommenheit eines Fabrikats erforderlich ſind.