Druckschrift 
Über Wolle und Schaafzucht / von Vicomte Perault de Jotemps, Fabry und Girod, Gesammt-Eigenthümer der Heerde zu Naz. ; Aus dem Französischen übersetzt und nach dem gegenwärtigen Standpuncte der Woll- und Schaafkenntniss in Deutschland bearbeitet von Albrecht Thaer
Entstehung
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beſchraͤnken, Douanen⸗Geſetze und Regierungs⸗Maaß⸗ regeln zu Huͤlfe zu rufen. Wenn dieſe auch noch ſo weis⸗ lich getroffen, und ſo richtig ausgefuͤhrt worden waͤren, ſo wuͤrden ſie doch ohne alle Wirkung ſeyn, wenn die Eigen⸗ thuͤmer der Heerden ſich keinen klaren Begriff von der Lage machen, worin ſich das Wollgeſchaͤft jetzt befindet, und von dem Ziele, wohin ſie mit aller Kraft ſtreben muͤſſen.

Man hat bisher das Studium der Wolle viel zu ſehr vernachlaͤſſigt. Der groͤßte Theil der Schaafzuͤchter hat ſich mehr mit den Formen und Staturen der Thiere, und mit dem Volum und Gewicht ihrer Vließe, als mit den Qualitaͤten der Wolle, die zur preiswuͤrdigen Fabrikation erforderlich ſind, beſchaͤftigt. Man muß geſtehen, daß eine lange Zeit hindurch die Fabrikanten ſelbſt eine Art von Gleichguͤltigkeit dagegen aͤußerten, und daß ihre Routine und Vorurtheile, ihre unbeſtimmten Begriffe und Redens⸗ arten den Fortſchritten dieſes Studiums ſehr nachtheilig waren. Sie haben hieruͤber mit Recht unſere Vorwuͤrfe verdient, denn dieſes Benehmen haͤtte, ohne die Ausdauer gewiſſer tief eindringender Maͤnner, dieſe koͤſtliche Indu⸗ ſtrie in der Wiege eiſticken können.

Nunmehr aber ſind dieſe Manufakturen keinesweges laͤnger auf einem Beharrungspunkte ſtehen geblieben, ſon⸗ dern haben auf dem Wege wahrer Vervollkommnung mit jedem Jahre neue Fortſchritte gemacht, und je hoͤher ſie die Kunſt der Fabrikation trieben, um deſto gruͤndlicher lernten ſie das Material kennen, welches ſie brauchten. Auch ſind wir weit entfernt, es ihnen zum Vorwurf zu machen, daß ſie gewiſſen fremden Wollen den Vorzug vor