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bis zur Schur auf dem Stalle gefuͤtterten Viehe mehr findet, als bei dem Viehe, welches ſchon 1 Monat fruͤher blos auf der Weide ernaͤhrt, aber Nachts in den Stall gefuͤhrt wurde, ſehr unbedeu⸗ tend und fuͤr das Mehrgewicht der Wolle ſo wenig entſcheidend, daß es ſicherlich nur mit Nachtheil verbunden ſeyn moͤchte, an die Gewinnung jenes Mehrgewichts Wolle die Koſten der laͤngeren Stall⸗ fuͤtterung zu ſetzen. Außerdem duͤrfte es der Geſundheit der Thiere weit angemeſſener ſeyn, dieſelben ſchon laͤngere Zeit vor der Waͤſche der Luft zu exponiren und ſie im Regen und Wind auf das Waſchen vorzubereiten und an die Naͤſſe einigermaßen zu gewoͤhnen, als ſie plotzlich ohne alle Vor⸗ bereitung aus dem warmen Stalle ins kalte Bad zu bringen, welches ohnehin auf den Köͤr⸗ per ſchon nachtheilig genug wirkt, wie wir leider oft zu bemerken Gelegenheit haben. Das Trock⸗ nen der Thiere allein im Stalle abzuwarten, kann eben ſo wenig empfehlen werden, ſollte es auch fuͤr das Gewicht der Wolle mit Vortheil verbunden ſeyn, weil es dem Viehe augenſcheinlich großen Nachtheil bringt und außerdem wieder eine anſehnliche Maſſe trocknen Futters fordert. Denn wenn dazu wenigſtens 8 Tage gehoͤren, waͤhrend die gewoͤhnliche Abtrocknung bei guͤn⸗ ſtigem Wetter in 2 Tagen geſchieht, ſo befinden ſich die Thiere auch 8 Tage lang in dem un⸗ geſunden Zuſtande der Naͤſſe und verlangen in der Zeit einen bedeutenden Aufwand an trocknen Fuͤtterungsmitteln, der durch die gewoͤhnliche Trocknung in der Luft erſpart und durch das Mehr⸗ gewicht der im Stalle getrockneten Wolle ſchwerlich erſetzt, geſchweige denn uͤberwogen wird.
Ein abermaliger Verſuch hieruͤber ſoll im naͤchſten Jahre unternommen werden. Amt Petersberg, im Mai 1822.
Dritter Verſuch bei der Woll⸗ und Schaaßzucht 1821 und 1822.
Als ich meine Laͤmmer im Jahre 1821 ſcheeren ließ, beſchloß ich, zu erforſchen, welche Differenz ſich im Wollertrage bei Jaͤhrlingen ergebe, die als Laͤmmer geſchoren und ſolchen, die nicht geſchoren wurden. Ich waͤhlte alſo am 22ſten Juli 32 Stuͤck Laͤmmer von ziemlich gleicher Statur und Wolle, 22 Zibben und 10 Hammel aus, ließ davon die Haͤlfte, 11 Stuͤck Zibben und 5 Stuͤck Hammel, ſcheeren und die zweite Haͤlfte nicht ſcheeren, aber zeichnen, um ſie im folgenden Jahre leichter ausfinden zu koͤnnen.— Die Wolle der erſteren 16 Stuͤck wog
nun ungewaſchen in brutto............... 15 Pfd. 24 Lth., das Thara............. 2 3 ⸗
Alſo netto.......... 12 Pfd. 21 käth.
Dagegen erhielt ich bei der Schur des naͤchſten Jahres, am Sten Mai 1822, von eben dieſen 16 Stuͤcken, als Jaͤhrlingen, netto........ 31 ⸗— ⸗ aber von den im vorigen Jahre als Laͤmmer nicht geſchornen 16 Stuͤcken netto 35 ⸗— ⸗
Mithin von letztern mehr. 4 Pfd., und zwar
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