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Vergleichende Versuche über Schaaffütterung in Beziehung auf Wollertrag : angestellt auf dem Königlichen Amte Petersberg in den vier Wintern 1821 bis 1825 / von C. Caspari
Entstehung
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7) daß Heufutter nicht unumgaiglich nothwendig iſt und durch andere Fätterungsmittel er⸗ ſetzt wird;

8) daß oͤftere Wechſelung des Futters und kleine Portionen die Freßluſt der Thiere reizen und die Conſumtion einer groͤßern Maſſe nach ſich ziehe und mithin zu empfehlen ſind;

9) daß zum Trank reines Waſſer genuͤgt, daß aber ein Schaaf davon dem Gewichte nach mehr trinkt, als es an conſi iſtenten Theilen zu ſi ich nimmt. Das Verhaͤltniß war bei der 4ten Partie wie 1 ½ zu 2 bis 2 ½;

10) daß das Vieh zur Weide getrieben werden durfte, ſobald dieſelbe im Fruͤhlinge von J der Beſchaffenheit iſt, daß ſie eine der bisherigen trocknen Stallfuͤtterung gleiche Nahrung verſpricht, weil dann dadurch die letztere erſpart wird und gleichwohl am Gewicht der Wolle durch das Austreiben(oder die Exponirung des Viehes den Einwirkungen der Luft) wenig oder nichts verloren geht. Was etwa Regen und Wind dem Gewicht der Wolle entzieht, wird nur fruͤher entzogen und entfernt ſich bei dem bis zur Schur auf dem Stalle gehaltenen Vieh doch alsdann durch's Waſchen und Wiedertrocknen deſſel⸗ ben, wenigſtens zum groͤßten Theile und in ſo weit, daß das mehr erhaltene Gewicht mit dem Werthe des mehr gebrauchten Futters nicht balancirt.

Amt Petersberg, im Mai 1822.

Zweiter Verſuch bei der Schaaffuͤtterung 1821 und 1822.

Da hie und dort die Meinung geaͤußert worden, es ſey vortheilhaft, gleich vom Stalle zu ſcheeren, d. h. das Vieh bis zur Schur auf dem Stalle zu halten, weil man dadurch am Ge⸗ wicht der Wolle mehr gewinne, als wenn vor der Schur ſchon die Weide benutzt worden ſey, indem naͤmlich im letztern Falle die Wolle allen Einwirkungen der Atmoſphaͤre exponirt, von ihrem Fette und Schweiße zu viel verliere, und mithin das Gewicht bedeutend vermindert wer⸗ den muͤſſe: ſo unternahm ich es, daruͤber folgenden Verſuch zu machen.

Als naͤmlich am 1ſten April die bisherige Stallfuͤtterung aufhoͤren und gegen Wieſenweide vertauſcht werden ſollte, ließ ich aus dem Jaͤhrlingshaufen 40 Stuͤck, welche in Statur und Wollwuchs ziemlich gleich erſchienen, ausheben, zeichnen und nun im Stalle ferner in der Art fortfuͤttern, wie ſie es bisher gewohnt geweſen, waͤhrend der uͤbrige groͤßere Theil der Jaͤhrlings⸗ haufen jetzt, am 1ſten April, auf Wieſen weidete und aller trocknen Fuͤtterung entbehrte. Jene 40 Stuͤck erhielten zur taͤglichen Nahrung ¾ Schfl. oder 24 Pfd. Erbſen, 24 Stunden lang ggeequellt, wodurch ihr Gemaͤß verdoppelt und ihr Gewicht durch eingezogenes Waſſer um 17 Pfd.

vermehrt wurde, etwa zu vergleichen mit 50,4 Pfb. Wieſenheu. Außerdem ein Mal Gerſten⸗ ſtroh, etwa 15 Pfd⸗, ein Mal Haferſtroh, auch 15 Pfd., und 30 Pfd. halb Weitzen⸗, halb Nog⸗