Druckschrift 
Beitrag zu Thaers Theorie über das Verhältniß der Ernten zur Fruchtbarkeit des Bodens / Vom Herrn Ritter v. Riese
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 4 4 Dieſe Lokalitaͤt ließ mich bald 6 Hauptverſchiedenheiten in Beziehung auf jene vom Herrn Staatsrath Thaer vorgelegte Poſitionen entdecken, die ich hier naͤher entwickeln werde.

1) Fand ich, daß bei mir die folgende Ernte zu der ihr vorangegangenen in einem viel guͤn⸗ ſtigeren Verhaͤltniſſe ſtehe, als dort angenommen iſt; daß z. B. ſich hier die Ausſaugung der Gerſte und des Hafers gegen dort wie 3 zu s5 verhalte, daher ein Feld, welches bei mir auf den Berliner Morgen 6 Scheffel Gerſte reinen Ertrag gab, ſo viel Reich⸗ thum beſitzen muͤſſe, als wenn es dort 10 Scheffel gegeben haͤtte, ich alſo die Ausſau⸗ gung der Sommerfruͤchte, welche dort zu oder 25 p. C. des im Felde enthaltenen Reichthums angenommen wird, nur zu fo oder 15 p. C. berechnen duͤrfe..

2) Ferner, daß es bei Winterung einen ſehr bedeutenden Unterſchied mache, ob ſie nach rei⸗ ner Brache oder Vorfruͤchten gebaut werde, und daß wenn zwei Felder gleichen Reich⸗ thum, nach Zuſchlag der Vermehrung durch reine Brache und Abſchlag der Verminde⸗ rung der Erbſen, enthalten, ſich der Ertrag des Roggens vermoͤge einiger hundert in verſchiedenen Jahren angeſtellten Vergleichsproben in erſterem zu letzterem wie 21 zu 15 verhalte. Bei Weitzen nach den zwar häufigen aber doch nicht ſo zahlreichen Proben, bei reiner Brache gegen reine bei mir gewoͤhnliche Vorfruͤchte, als Klee und Raps, wie 24 zu 20.

3) Daß bei mir die Ausſaugung eines Scheffels Roggen Reinertrag per Berliner Morgen, welche dort auf 5 Grad= 10 Centner Dung angenommen wird,(was auf unſer Maaß und Gewicht reduzirt 1 Metze Reinertrag auf ½ Joch und 033 Pfund Dung betraͤgt) viel geringer ſey, und ich ſie nur zu 555 Pfund fuͤr eine Metze auf ½ Joch Reinertrag,

das iſt: zu 580 Berliner Pfund per Scheffel auf den Morgen fuͤr Roggen, und fuͤr die uͤbrigen Fruͤchte nach Proportion annehmen duͤrfe. Die Zahl 555 iſt uͤbrigens nicht will⸗ kuͤhrlich, ſondern daraus gefolgert, daß 1 Metze Roggen ſammt dem Stroh worauf ſie gewachſen verfuͤttert, als Duͤnger dem Boden ſo viel wiedergeben muͤſſe, als ſie ihm ſammt dem Stroh, worauf ſie gewachſen, entzogen hat. Dieſe wiegt nun hoͤchſtens 80 ¼ Pfund, hierzu laut§. 4. 161 Pfund Stroh, macht 24 ½ Pfund, mit 2 5 multiplizirt, giebt 555 Pfund guten Dung, der nach weiter unten folgenden Säaͤtzen ſo viel werth iſt, wie 928 Pfund Dung aus bloßem Stroh erzeugt. Dies auf Berliner Maaß beträͤgt fuͤr

feln. Man kann alſo uͤberſichtlich annehmen, daß 1 Metzen vom Joch gleich find 2 Scheffeln vom Morgen, wie das auch von den meiſten Schriftſtellern geſchieht. 100 Oeſterr. Pfund oder 1 Centner gleichen 1191 Preuß. Pfunden. d. R.