Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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die Linie vom Widerrist bis zur Erde verlängert wird; dasselbe geschieht, wenn man das Band, wie gewöhnlich in den Stollen des Hufeisens einhängt, und von da zum Widerrist misst, denn diese Linie ist schief(und somit länger als eine senkrechte Länie), da der Huf nicht senkrecht unter dem Widerrüst, sondern etwas weiter vorne zu stehen pflegt; auch ist das Material dieses Bandes(Hanf, Seide u. s. w.) der Ausdehnung und Verkürzung durch Ziehen, Feuchtigkeit u. s. w. ausgesetzt; um dieses zu vermeiden, bedienen sich Einige einer Kette mit breiten messingnen Gelenken, deren jedes 1 oder 2 Zolle lang ist. An dem einen Ende des Band-Maasses befestigt man eine kleine Platte von Blech, wor- auf man beim Gebrauch tritt, ausserdem aber das Band um dieselbe aufwickelt.

Ein richtigeres Maass wird mit dem Stangenmess erhalten, welches man ge- genüber vom Widerrüst des Thiers, in senkrechter Linie, aufstellt, und das Quer- stück herabschiebt, bis er den Widerrist berührt. Um richtig zu messen, muss jedenfalls das Pferd auf ebenem, festem Boden stehen, ungezwungen und mit parallel laufenden Füssen. Thieren, welche nicht ruhig stehen wollen, einen Fuss aufzuheben, ist nicht anzurathen, weil dadurch die Genauigkeit des Maa- ses leidet. Durch langgewachsene Hüfe und hohe Stollen kann ein Pferd um 1 2 Zolle mehr messen, als ausserdem. Bei manchen Pferden ist der Wider- rüst so undeutlich, dass sie schwer mit Bestimmtheit zu messen sind; es wäre daher vorzuziehen, die Pferde auf die tiefste Stelle des Rückens statt auf den Widerrüst zu messen.

In Deutschland misst man ziemlich allgemein nach Fäusten, zu 4 Zollen Duodecimal Maass, jeden zu 4 Strichen; da aber die Füsse nicht libereinstimmen, so varirt das Pferdemaass der verschiedenen Staaten in gleichem Verhältniss, wie das Längenmaass derselben; der würtemberg'sche Fuss ist z. B. um 1 Zoll kür zer als der rheinländische, und fast um Zoll kürzer, als der alte pariser Fuss, was also auf das erstgenannte Maass bei 12 Faust Eine, auf das letztere aber bei- nahe anderthalb Faust ausmacht.

In Sachsen gilt die Elle als Grundlage des Pferdemaasses. In Dänemark misst man mit Bandmaas und nach Viertels-Ellen(quartier) zu 6 Zollen; die Schweden messen ebenso, jedoch nicht auf den Widerrüst, sondern auf die nie- drigste Stelle des Rückens. Die Franzosen messen die Pferde entweder nach Fuss und Zollen alten pariser Maasses, oder in neuerer Zeit(besonders bei öf- fentlichen Gelegenheiten, z. B. Wettrennen u. dgl.) nach Mètres und Centimè- tres; das Stangenmaass(potence) ist in solchen Fällen gebräuchlich, wie in Deutschland. Die Italiener bestimmen die Grösse der Pferde gewöhnlich mit Bandmaass nach Palmen(palma oder Handbreiten, welche etwas über 39 Li- nien pariser Maass betragen); im südlichen Italien wird nach Vierteln(quarti) gemessen, deren jedes in 4 Theile(quartini) getheilt wird; im nördlichen Italien wendet man dagegen bei genaueren Messungen den pariser Fuss an und bezeich- net die Höhe des Pferds nur durch Angabe der Zolle, welche es über 4 Puss misst.