Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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Sprachen übersetzt worden, lieſsen sich noch bedeutend vermehren, wenn es nicht schon davon mehr als genügte, um eine Ansicht von der Thätigkeit des 17. und 18. Jahrhunderts in diesem Fache zu gewähren. Die Wiederholung Alles längst-Bekannten in einem unausstehlich breiten Style, das Zusammenwer- fen der verschiedensten Gegenstände, wie Zäumung, Abrichtung, Gestüttswesen, Beschläg und Pferde-Arzneykunde, die Beurtheilung fehlerhafter Zustände ohne alle Kenntniſs der Anatomie derselben, daher ungeeignete Heilmethoden aus fal- schen Ansichten und herrschenden Vorurtheilen hervorgegangen; dieſs ist, was die Mehrzahl der genannten Schriften auszeichnet. 1 Erst mit der Errichtung eigener Thierarzney-Schulen(deren erste zu Lyon 1762 eröffnet wurde) kam Licht in diesen, bisher vernachlässigten Theil der Wissenschaften; eifrige, mit allgemeinen Kenntnissen wohl ausgerüstete Männer widmeten sich demselben, und begnügten sich nicht mehr mit Wiederholung des von andern Gesagten, sondern benützten die Gelegenheit zu eigenen Be- obachtungen und Untersuchungen; indem sie hauptsächlich die Zergliederung des Ppferds anwendeten, um die Natur der oberflächlichen wie der tieferen Krank- heiten zu erkennen, gelang man dahin, den Einfluſs derselben auf den Gebrauch des Thiers genauer als bisher zu erfahren. Bourgelat, der Gründer der Thier-Arzneyschulen, gab 1768 zum erstenmale sein Traité de la conformation extérieure du cheval Lyon. 8. heraus, wovon im Jahr 1775 die 2te und sofort bis 1818 noch 5 andere Auflagen erschienen. Die- ses Werk gilt bei den Franzosen jetzt noch für klassisch und dient als Grund- lage beim Unterricht in diesem Theile der Pferde-Wissenschaften; es zerfällt in 3 Theile, deren erster die Beschreibung der einzelnen Theile des Pferde-Körpers, ihrer Fehler und Vollkommenheiten(das eigentliche Extérieur) enthält, der zte Theil über Wahl der Pferde, ihre Wartung und Nahrung handelt, und der 3te die Zucht derselben betrifft. Die Fehler, welche man Bourgelat's(zahlreichen) Schriften überhaupt vorwerfen kann, sind: dafs sie noch zu wenig auf eigene Beob- achtungen und Erfahrungen sich stützen, dagegen häufig die Behauptungen An- derer oder Schlüsse aus der Analogie ohne nähere Prüfung annehmen; ausser- dem bemerkt man darin(wie noch jetzt in den meisten französischen Werken) eine auffallende Unkenntnils dessen, was ausserhalb Frankreich in diesem Fache geleistet worden ist. Dem ungeachtet haben die meisten spätern Schriftsteller über Pferde-Kenntnils sich mehr oder weniger an Bourgelat gehalten, dessen Werk bald in mehrere andere Sprachen ibersetzt wurde(z. B. von Odoardi ins Italienische 1774, von Knobloch ins Dentsche 1789, von Don Estevez unter dem Titel: Exterior del Caballo ius Spanische 1794, ausserdem wurde es von Brug- none bei einem ähnlichen(italien.) Werke stark benützt. Als einen Auszug aus dem Buche Bourgelat's kann man den Cours Thippiatrique à lusage des Pages du Roi, von Valois ansehen, welcher 1825 in Versailles(2te Aufl.) er- schien.(Es ist nämlich blos am Anlang eine kurze Beschreibung des Skelets beigefügt, dagegen die Abhandlung von der Zucht der Pferde weggelassen.)