Zweite Vorlesung.
Sᷓpecielle Naturgeschichte des Pſerdes. Ursprung, Verbreitung, Rage, Schlag, Einfluss des Clima. Statistik.
Die Pferdeart(specics) unterscheidet sich von den ihr zunächst stehenden (eben beschriebenen) Thieren durch den von oben bis unten ganz mit Haaren besetzten Schweif, die ebenfalls lang behaarte Mähne, und Schopf, die kurzen spitzigen Ohren, die fast runden Hufe und die eigenthümliche Stimme(Wie- hern). Im inneren Bau des Körpers sind keine sehr merkliche Verschiedenheiten zwischen dem Pferde und seinen Gattungsverwandten bekannt, wenn man hie- von die Zahl der Lendenwirbel ausnimmt, die beim Pferde 6(ebenso beim Zebra und Quagga nach denen in Paris befindlichen Skeleten), beim Esel und Halbesel aber nur 5 beträgt-
Als Heimath des Pferdes sieht man die im mittleren Asien gelegene Wüste Gobi an, wo mehrere unserer Hausthiere(Esel, Rind, Schaaf) wild vorkommen; indessen ist es zweifelhaft, ob es jetzt noch ursprünglich wilde Pferde gebe; we- nigstens vermuthet pallas von den in den donischen und jaikischen Steppen ange- troffenen wilden Pferden, daſs sie nichts anderes als Nachkömmlinge kirgisischer und kalmiikischer Pferde seyen. Man findet den Kopf der wilden Pferde dicker als bei den zahmen, die Ohren länger, die Mahnen kürzer und kraus, die Haare ungemein lang und dicht(wie Pelz), den Schweif kürzer. Ihre Farbe ist isabell, fahlgrau bis Mausfarb. An Behendigkeit sollen sie die zahmen Pferde um’s Doppelte übertreflen, dabei aber sehr furchtsam seyn*). Die groſse Menge von Pferden, welche man in Mittelasien antrifft, scheint dafür zu sprechen,
*) Pallas gibt in seinem Werke„Reise durch die verschiedenen Theile des russischen Reichs, in ausführlichem Auszuge, 3 Theile, 1778,“ eine Beschreibung eines bei Topkaja Rrepost gefangenen wilden Füllens. Dasselbe war isabell, die Mutter nebst noch 7 andern Stutten eben so, der Hengst des Trupps aber fahlbraun. Die beige- fügte Abbildung vom wilden Pferd ist so schlecht, dass man nicht in Versuchung
geräth, sie nachbilden zu lassen.


