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Reise durch die östlichen Bundesstaaten in die Lombardey und zurück über die Schweiz und den oberen Rhein, in besonderer Beziehung auf Völkerkunde, Landbau und Staatswirthschaft / von C. F. von Rumohr
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iſt. Das Glück führte andere Reiſende herbey, die zum ge⸗ meinſchaftlichen Nachteſſen an einem Winkel der weiten Tafel ſich zuſammendrängten. Ein Paar junger Cavaliere von gutem böhmiſchem Geſchlechte, die gerade in Inſpruck ſtudirt hatten und vor ihrer Rückkehr ein Stückchen Welt beſehen wollten, erwieſen ſich als werthe und behagliche Mitgäſte. So lieb ward mir nach kurzem Verweilen in den öſterreichiſchen Staa⸗ ten der offene Sinn, die friſche Empfänglichkeit, das redliche Herz ſeiner Bewohner, daß neben dieſen, ihrem Vaterlande wohl entſprechenden jungen Leuten mirs wie heimathlich an⸗ wandelte. Auch ward die ſchnelle Stunde benutzt, um neue

Kunden einzuziehen. Erfragt ward, daß im Tyrol die Wieſen⸗

bewäſſerung in lombardiſcher Manier ſehr ſtarke Fortſchritte mache und immer mehr Land gewinne; daß hingegen die Wald verwüſtung auf ſchreckhafte Weiſe überhand nehme. Es ward darauf das Wohl des Vaterlandes und ſeines Herrſcherſtammes ausgebracht, an welchem jedoch ein vierter Gaſt, den bisher ich für den Begleiter der jungen Herrn gehalten, nicht lebhaft Theil nahm. Was jedoch überſehen ward, da indeß vom Ernſt zu heiteren Scherzen der Uebergang von ſelbſt ſich ge macht hatte. Am nächſten Morgen gaben meine jungen Freunde mir bis an den Wagen das Geleite, woraus ich entnahm, daß mein Wohlwollen nicht ohne Erwiederung geblieben war.

In der Gegend von Raſtadt und Carlsruhe eine verbreitete Verſandung, in welcher nicht allein Wieſen, vielmehr auch Feldbewäſſerung dem Landwirthe Vortheil bringen duürfte, vor ausgeſetzt, daß Waſſer in hinreichender Menge heranzuleiten wäre, was mir nach oberflächlichem Ueberblicke der Gegend nicht überall möglich zu ſeyn ſcheint. Raſtadt iſt unter den vielen in franzöſiſcher Manier angelegten Reſidenzſtädten un ſtreitig die artigſte. Das Schloß liegt etwas erhöht; die Ge⸗ gend iſt nicht ungefällig; die Hauſer ſind ſo ziemlich im Stande.