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Der Kunstwiesenbau : praktisch dargestellt auf der hochgräflich von Nimptsch'schen Herrschaft Geiersberg, Königgrätzer Kreises in Böhmen / von Stephan Weinar
Entstehung
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ausführte, ſtets mehr gewordene Erfahrung, hat mir die Nothwen digkeit klar und überzeugend dargethan, daß man ſelbſt alle, auch die kleinlichſt ſcheinenden Gegenſtände nicht für überflüſſig halten darf, wovon ſich die verehrten Herren Leſer dieſer Schrift, wel die Sache ſelbſt ausführen wollen, bald überzeugen werden.

Zum Schluß dieſer Abtheilung will ich über die Herſtellung der Auslaßſchleuſen, Auslaßröhren, Siele u. ſ. w. noch Folgendes bemerken.

Bei meiner erſten Arbeit pflegte ich mich zum Auslaſſen des Waſſers aus den Bewäſſerungsgräben in die Zuleitungsgrippen hauptſächlich bretterner, mit einer kleinen Schleuſe verſehener, 4, 5 auch 6 langer, im Lichten 5 bis 6 haltender Truhen, die in den Bewäſſerungsgräben bis zur Sohle eingelegt und tüch tig mit Letten verſchlagen wurden, zu bedienen. Die Erfahrung hat mich indeß belehrt, das dieſelben nur eine nutzloſe und koſt⸗ ſpielige Spielerei ſind. Es iſt freilich ſehr hübſch, dieſe Ausläufe auf die beſchriebene Art hergeſtellt zu ſehen; bedenkt man aber, daß eine ſolche Auslaßſchleuſe oder Truhe, ohne Materiale, nur an reiner Profeſſioniſtenauslage hier 50 fl. W. W. beträgt; ferner, daß es mir ungeachtet des größten Fleißes und der größten Aufmerk ſamkeit nicht gelingen wollte, dieſe Schleuſen vor dem Unterwüh len des Waſſers zu ſichern, ſo iſt es natürlich, daß ich auf Mittel dachte, durch welche dieſem Uebelſtande abgeholfen werden könnte. Eine 65 Metzen enthaltende Wieſe beim Neuhofer Meierhofe, wel che im Jahre 1840 auf die beſagte Art regulirt worden war, bot die ſchönſte Gelegenheit dar, zu lernen, wie man dieſe koſt⸗ ſpielige Auslage nicht nur vermeiden, ſondern auch allen nur denk baren Reparaturen hierbei vollkommen begegnen könne.

Die Lage der Wieſe, hauptſächlich aber einige Erhöhungen auf derſelben, erforderten, damit das Waſſer aus dem Bewäſſerungs⸗ graben darauf erhalten werden könne, entweder eine Stauung des ſelben, oder ein höher im Graben anzulegendes Auslaßſiel. Da nun dasſelbe auf keine andere Art, als aus Raſen hergeſtellt wer den konnte, ſo wurde in der Böſchung des Bewäſſerungsgrabens in der erforderlichen Höhe eine 10 breite, mit Raſen, ausgelegte Auslaßgrippe angefertigt und das Waſſer durch dieſelbe den her gelegenen Punkten zugeführt. Nachdem ich mich von der Fe ſtigkeit und Dauer dieſes einzigen erſt beſtehenden Auslaßſiels hin länglich überzeugt hatte, ließ ich auch ſämmtliche, ſelbſt bis zur