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rSs Der Wieſenbau.
Wenn der Froſt eine berieſelte Wieſe uͤberfaͤllt, ſo iſt es keinesweges nachtheilig, daß ſie mit
Eis bedeckt werde; das immer laufende Waſſer friert aber ſo leicht nicht.
Beim Aufgange des Eiſes muß man die Schleuſen ſchnell beweglich zu machen ſuchen, um dem Waſſer bei entſtehenden Schneefluthen Abzug geben zu koͤnnen, weil es ſonſt durch Einbruch leicht
Schaden thun koͤnnte. Sobald es aber die Umſtaͤnde erlauben, muß man dieſes Waſſer, welches ſchlammige und duͤngende Theile mit ſich zu fuͤhren pflegt, uͤber die Wieſen laſſen. Dieſe erſte Fruh⸗
jahrswaͤſſerung kann vierzehn Tage und laͤnger fortdauren, worauf die Wieſe aber wenigſtens acht Ta⸗ ge trocken gelegt wird. Dann wiederholt man ſie, aber kuͤrzer.
Faͤngt nun die Wieſe, was insbeſondere bei waͤrmerem Quellwaſſer fruͤh der Fall it, z begruͤ⸗
nen an, ſo legt man ſie bei waͤrmerer Witterung voͤllig trocken, und ſieht nochmals beſonders die Ab⸗
zugsgrippen und Graͤben nach. Man bringt ſodann die Schaafmuͤtter darauf, welchen dieſe Fruͤh⸗
weide vorzuͤglich nuͤtzlich iſt, und ihre Milch vor jeder andern Nahrung vermehrt. In manchen Gegenden Englands glaubt man, daß der gluͤckliche Erfolg der Schaafzucht hauptſaͤchlich auf Be⸗
rieſelungswieſen beruhe, und es iſt durch unzaͤhliche Erfahrungen erwieſen, daß die Weide auf berieſel⸗
ten, aber wieder trocken gelegten Wieſen den Schaafen ganz unſchädlich ſey, und daß nur ſtauendes Waſſer ihnen nachtheilig werde. Dann faͤhrt man mit den Berieſelungen fort, laͤßt ſie aber nicht uͤber drei bis vier Tage dauern, und legt die Wieſe dann wenigſtens acht Tage wieder trocken. So wie es waͤrmer wird, muͤſen die Waͤſſerungen immer kuͤrzer werden, und man giebt ſie alsdann nur eine Nacht. Man richtet ſich dabei nach dem Feuchtigkeitszuſtande der Wieſe; iſt der Wieſengrund ſandig und durchlaſſend und die Witterung nicht ſehr feucht, ſo kann man ihm um die vierte Nacht eine Berieſelung geben und damit fortfahren, bis das Gras in Bluͤthe tritt und nun gemaͤhet werden ſoll. Das Gras einer Berieſe⸗
lungswieſe muß beſtaͤndig ſteif und friſchſtehend durch das Waſſer erhalten werden; ließe man es ein⸗
mal welk werden, ſo wuͤrden gerade dieſe an Feuchtigkeit gewoͤhnten Pflanzen vor andern dadurch leiden, in Stocken kommen, und ſich nicht leicht wieder erholen. Mitt der Bewaͤſſerung das gehoͤrige Maaß zu halten, iſt von großer Wichtigkeit. Man muß die Bewaͤſſerung nicht eher wiederholen, als bis der Boden von der vorigen abgetrocknet iſt, ſie aber auch nicht ſo lange ausſetzen, daß die Pflanzen irgend von Duͤrre leiden. Darum iſt eine beſtaͤndige
Aufmerkſamkeit vor allen andern aüͤf Berieſelungswieſen noͤthig, und bei groͤßeren Anlagen muß ſie
einem beſonderen Wieſenvoigte uͤbertragen werden, der dann alle die kleinen, an ſich leichten, aber unerlaͤßlichen Ausbeſſerungen beſorgt.“ Nach Abbringung des erſten Heues faͤngt man ſogleich mit den Berieſelungen wieder an, laͤßt die erſten bei trockner Witterung wohl einige Tage anhalten, und wiederholt dann die naͤchtlichen Waͤſſerungen nach Beduͤrfniß. §. 344.
Reinigung der Die Reinigung der Wieſen von nachtheiligem Unkraut, das Ausſtechen und Jaͤten derſelben,
Wleſen. wird von manchen ſehr dringend empfohlen. Allein wenn ſie nur im uͤbrigen gehoͤrig unterhalten werden, ſo hat es auf den zweiſchnittigen Wieſen mit dem Unkraute wenig zu bedeuten. Denn durch
das zweimalige Maͤhen wird das meiſte von ſelbſt vertilgt. Bei einſchuͤrigen Wieſen hingegen hat es Zeit aufzuwachſen, beſonders wenn es von der Art iſt, daß es vom Vieh bei der Vor⸗ und Nachweide nicht angeruͤhrt wird. Einige Unkrautsarten werden jedoch durch die Vorweide am beſten vertilgt, z. B. der Hahnenkamm oder das Klapperkraut— Rhinantus cristagalli—, welches ſonſt vor der erſten Schur ſeinen Saamen ſchon reifet. Diſteln vergehen, wenn ſie zweimal abgehauen werden, und wenn ſie die Senſe zum erſtenmale trifft, bevor ſie in Bluͤthe treten, ſo geben ſie ein gutes Heu.
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