Stallfutterungsſyſtem. 235
Stallfutterungswirthſchaft.
.§. 375.
Das Weſentliche derſelben beſteht darin, daß das Vieh im ganzen Jahre hauptſaͤchlich durch ab⸗ Staufutte⸗ geſchnittenes und ihm zugefuͤhrtes Futter ernaͤhrt wird, und wenig, etwa nur zu Ende des Sommers, rungsſyſtem. oder gar nicht weidet. Es wird wirklich nach dem eigentlichen Sinne des Worts im Stalle gehalten, oder auf einem dazu eingerichteten Hofe gefuttert, oder aber in beſonderen beweglichen ſtarken und ho⸗
hen Horden, deren Platz alljaͤhrig veraͤndert und nach der Hauptfutterkoppel hin verlegt wird. Ge⸗ wiſſermaßen kann man hierher auch das in einigen Gegenden gebraͤuchliche Tuͤdern des Viehes rech⸗ nen. Ueber die Vortheile der einen oder der andern Methode zu reden iſt hier der Ort nicht, wo wir dieſe Futterungsart bloß in Hinſicht auf die allgemeinen Wirthſchaftsverhaͤltniſſe betrachten. Wir ha⸗ ben im Deutſchen ſonſt kein Wort, dieſe Futterung durch Zufuͤhrung der Nahrung auszudruͤcken. Die Englaͤnder nennen es Soiling, ohne Ruͤckſicht auf den Ort und die Methode, wo und wie es geſchieht.
. 376. Die uͤberwiegenden Vortheile dieſer Wirthſchaftsart beſtehen in folgendem: Vortheile der 1) Sie bedarf eines weit geringern Flaͤchenraums zur Ernaͤhrung ihres Viehes. Staufutterung
a) Indem ſie ihren zum Futtertragen beſtimmten Acker gehoͤrig vorbereitet, und ſeine Begra⸗ ſung nicht der Natur uͤberlaͤßt, ſondern durch Beſaamung und Bepflanzung ſolche Gewaͤchſe darauf er⸗ zeugt, welche ſowohl ſeiner beſondern Beſchaffenheit, als der Natur desjenigen Viehes, dem man ſie
beſtimmt, vollkommen angemeſſen ſind. Hierdurch macht ſie ſich die Produktionskraft der Natur auf 8 inderſchla⸗ die moͤglich hoͤchſte Weiſe zu Rutzen, und zieht eine vielfach ſtaͤrkere Quantitaͤt von Nahrung von einer er vier und Flaͤche Landes, als dieſe ſonſt hervorbringen wuͤrde. in einander b) Indem ſie dieſe Futtergewaͤchſe ihren volligen Wachsthum und den angemeſſenſten hoͤch⸗ von dieſen ſten Grad ihrer Entwickelung erreichen laͤßt, in welchem ſie der Quantitaͤt und Qualitaͤt nach den hoͤch⸗
ſten Ertrag geben. Die Entwickelung und Ausdehnung der meiſten Futterkraͤuter nimmt naͤmlich bis auf einen gewiſſen Punkt progreſſiv zu, und geht am ſchnellſten und ſtaͤrkſten vor ſich, je mehr ſie ſich dieſem hoͤchſten Punkte naͤhert. In ihrer erſten Jugend iſt dieſer Zuwachs geringe in einer beſtimmten Zeit, wird aber dann am ſtaͤrkſten, wenn die Bluͤthe ſich zu entwickeln anfaͤngt. Wird dieſer Zeit⸗ punkt, wie bei der Weide geſchiehet, nicht abgewartet, ſo kann der hoͤchſte Ertrag nicht davon erfol⸗ gen. Sobald das Aufbluͤhen aber geſchehen iſt, ſteht der Wachsthum des Krautes wieder ſtill, und
bei der Bildung des Saamens vermindert ſich die Nahrhaftigkeit des Krautes. Dieſer gluͤckliche Zeit⸗ punkt kann folglich nur beim Abmaͤhen gehoͤrig beobachtet werden. Durch Saamenanſatz ungeſchwaͤcht, macht es alsdann oft vermehrte Schluͤſſe, die man wieder bis zu demſelben Grade der Vollendung kom⸗ men laͤßt.
c) Indem dadurch verhuͤtet wird, daß durch das Auftreten des Viehes keine Pflanze zerſtoͤrt
ochen. oder in ihrem Emporkommen gehindert werde, welches auf der Weide mit betraͤchtlichem Nachtheile. geſchieht. 1 Hierdurch erreicht man der Erfahrung gemaͤß, daß mit hoͤchſtens der Haͤlfte des zur Weide er⸗
wuß forderlichen Landes— den Acker von derſelben Guͤte und derſelben Kraft angenommen— das Vieh t b ſo reichlich und ſo vollkommen ernaͤhret werden kann, wie mit dem Ganzen, und daß man folglich we⸗. zuhn a nigſtens die Haͤlfte des Landes zu andern Zwecken oder zur Ernaͤhrung mehreren Viehes erſpart. 9 2 4 3*
§. 377.
berechne⸗) Der Miſt, um deſſenwillen das Vieh beim Ackerbau groͤßtentheils gehalten wird, kann nur talle wird bei dieſer Wirthſchaft auf das vollkommenſte benutzt werden.
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