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Erster Band (1811) Begründung der Lehre und des Gewerbes : Oekonomie oder die Lehre von den landwirthschaftlichen Verhältnissen
Entstehung
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Besgriff der rationellen Landwirthſchaft. De Landwirthſchaft iſt ein Gewerbe, welches zum Zweck hat, durch Production(zuweilen auch durch fernere Bearbeitung) vegetabiliſcher und thieriſcher Subſtanzen Gewinn zu erzeugen oder Geld zu erwerben. 3= ie ee

5§. 2. Je hoͤher dieſer Gewinn nachhaltig iſt, deſto vollſtaͤndiger wird dieſer Zweck erfuͤllt. Die voll⸗

kommenſte Landwirthſchaft iſt alſo die, welche den möglich hoͤchſten, nachhaltigen Gewinn,

nach Verhaͤltniß des Vermoͤgens, der Kraͤfte und der Umſtaͤnde, aus ihrem Betriebe zieht. Nicht die moͤglich hoͤchſte Produetion, ſondern der hoͤchſte reine Gewinn, nach Abzug der Koſten welches beides in entgegengeſetzten Verhaͤltniſſen ſtehen kann iſt Zweck des Landwirths, und muß es ſeyn, ſelbſt in Hinſicht auf das allgemeine Beſte; den einzigen Fall ausgenommen, wo man der Wiſſenſchaft wegen die Moͤglichkeit hoher Produetion, obwohl unter den beſtehenden Verhaͤltniſſen mit geringerem Vortheil⸗ zeigen wollte. §. 3. 8 Die rationelle Lehre von der Landwirthſchaft muß alſo zeigen, wie der moͤglich hoͤchſte reine Gewinn unter allen Verhaͤltniſſen aus dieſem Betriebe gezogen werden koͤnne. 1

Die Lehre des Ackerbaues kann dreierlei Art ſeyn, d. h. das Gewerbe kann auf dreierlei Weiſe

gelehrt und erlernt werden: erſtlich handwerksmaͤßig, zweitens kunſtmäßig, drittens wiſ⸗

ſenſchaftlich. Die handwerksmaͤßige oder mechaniſche Erlernung beſteht in der nachahmenden Ue⸗ bung der Handgriffe, des Augenmaaßes, und des Taktes oder der Zeitwahrnehmung. Sie iſt eine bloße Abrichtung, und der handwerksmaͤßige Landwirth kann bloß nachahmen, und bei ſeinen gewohn⸗ ten, nach Raum und Zeit mehr oder minder modiſicirten Handgriffen bleiben, wovon er keinen Ver⸗ ſtandsbegriff hat oder zu haben braucht. 1 Kunſt iſt Darſtellung der Idee in der Wirklichkeit. Der bloß kunſtmaͤßige Landwirth nimmt die Idee oder die Regel ſeines Verfahrens von anderen auf Glauben an. Die kunſtmaͤßige Erlernung beſteht alſo in dem Auffaſſen fremder Ideen, oder in der Erlernung von Regeln, und in der Uebung, dieſe Regeln in Ausfuͤhrung zu bringnean. A 2

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