Teil eines Werkes 
Erster Band (1811) Begründung der Lehre und des Gewerbes : Oekonomie oder die Lehre von den landwirthschaftlichen Verhältnissen
Entstehung
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Vorrede. v

daß in jener Ordnung die klarſte und deutlichſte Anſicht entſtehe. So lange man das Ganze nicht uͤberſieht, ſind einſeitige und ſchwer wieder zu verloͤſchende Eindruͤcke bei⸗ nahe unvermeidlich, und dieſe haben der Theorie und der Praxis der Landwirthſchaft vielen Nachtheil gebracht. Haͤtte ich eine andere Ordnung gewaͤhlt, ſo wuͤrde ich das Werk auf einmal herausgegeben haben, welches ſich unter den jetzigen Zeitumſtaͤnden noch lange haͤtte verzoͤgern muͤſſen.

Ich fuͤhlte aber eine Verpflichtung, dieſes Werk entweder in dieſer konzentrirten Form oder in einer ausfuͤhrlichen bald herauszugeben. Meine engliſche Landwirth⸗ ſchaft und einige andere Schriften hatten einen bis dahin beiſpielloſen Eifer fuͤr die Landwirthſchaft, das Gefuͤhl und die Ueberzeugung von der Moͤglichkeit eines hoͤheren Betriebes und die Sehnſucht nach der moͤglichſten Vollkommenheit allgemein erregt. Aber der einſeitigen Anſicht wegen, die manche nach jenem Werke gefaßt hatten, ver⸗ fielen die, welche am raſcheſten zum Ziele hinſtrebten, auf Abwege, wodurch ſie es ver⸗ fehlten, oder doch ſpaͤter und mit groͤßerem Aufwande, als noͤthig war, erreichten. Andere ſchwankten von einem Wege zum andern hinuͤber, und kamen wenig vorwaͤrts, noch andere blieben ſtehen, zweifelnd, welchen Wen ſie einſchlagen ſollten. Manche kehrten ſchnell zuruͤck, wenn ihnen ein Verirrter in den Weg ſprang und zurief:Hier iſtss nicht Recht, experto crede ruperto! Manche wollten ſich einen neuen Weg bahnen, den ihre Kraͤfte nicht zu erklimmen vermochten. Andere, die es verſtanden, die Mittel zu berechnen, die erforderlich waren, um den Zweck fruͤher oder ſpaͤter zu er⸗ reichen, ſtehen jedoch auf der Hoͤhe und rufen andern zu!Hier bin ich, kommt mir nach!

Dies Werk, hoffe ich, ſoll dergleichen Verirrungen, wozu ich durch jenes Werk allerdings einige Veranlaſſung mag gegeben haben, verhuͤten. Allein es iſt kein hoͤl⸗ zerner Wegweiſer, den man nur anſprechen kann, wenn man ihn eben braucht. Es

iſt ein Grundriß, den man ſtudieren und ganz vor Augen haben muß, wenn man ſich

auf jedem Punkte dieſes Gebiets orientiren und nirgends verirren will.

Ich fuͤhle lebhaft, daß dieſes Werk nicht frei von Maͤngeln ſey. Die Drang⸗ ſale wenn gleich nicht die Zerſtoͤrungen des Krieges, denen ich mit wenigen Un⸗ terbrechungen ſeit ſieben Jahren ausgeſetzt war, manche Sorgen und haͤusliche Leiden laͤhmten die freie Thaͤtigkeit des Geiſtes, die ein ſolches ſyſtematiſches, nicht fragmen⸗ tariſches Werk in einem Fache, welches noch nicht wiſſenſchaftlich behandelt war, er⸗ forderte. Man erwarte alſo nichts Vollkommenes, ſondern nur das Beſte, was ich unter dieſen Umſtaͤnden zu geben vermag.