188 Zwölftes Kapitel.
Gegenſatz des vorherbeſchriebenen Forttreibens, namentlich bei gekoͤpften Exemplaren ſtatt(jedoch kann das Koͤpfen mehrere Jahre vorher ſtattgefunden haben) und zwar ſehr erſichtlich nur an den oberſten Zweigen der mittelſten Hauptaͤſte.
Dieſer hoͤchſt bemerkenswerthe Unterſchied in dem Wachs⸗ thum der Zweige iſt uns vor der Hand noch unerklaͤrlich und findet ſelbſt bei Pflanzen ſtatt, welche ſonſt große Ueberein⸗ ſtimmung in ihrem anatomiſchen und morphologiſchen Baue zeigen, wie Buche und Hornbaum. Er ſcheint, wenn auch nicht auf das von dem Pflanzenleben ausgehende Vermoͤgen, die Nahrungsaufnahme zu unterbrechen, ſo doch auf das, die Bildungsthaͤtigkeit zu unterbrechen, hinzudeuten, wenig⸗ ſtens ſoweit letztere aͤußerlich ſichtbare Bildungen betrifft.
Das Beſtehen des zweiten oder ſogenannten Auguſt⸗ triebes uͤberhaupt laͤßt ſich einigermaßen dadurch erklaͤren, daß um dieſe Zeit die Fruchtbildung ſchon ſo weit vorgeruͤckt iſt, daß eine weitere Saͤftezufuͤhrung zu ihnen unnoͤthig iſt, weshalb der noch fortwaͤhrend bereitete Nahrungsſaft zur Weckung und Entwickelung einiger Knospen verwendet wird, denn es betrifft dieß immer nur einen Theil der Knospen. Dieſe Erklaͤrung iſt jedoch(wie leicht einzuſehen) nicht ausreichend.
Alle blattartigen Organe entſpringen aus kleinen warzen⸗ foͤrmigen Zellenhaͤufchen dicht unter der Spitze der Axe. Eine Knospe enthaͤlt, wenn ſie ſich im Sommer in einer Blatt⸗ achſel zu bilden anfaͤngt, als eine kleine kegelfoͤrmige Zellen⸗ anhaͤufung die Anlage zu einer Nebenaxe mit den Anlagen zu den Blaͤttern, welche dieſe zu tragen beſtimmt iſt; mit dem Unterſchiede, daß z. B. bei der Buche die Knospe die Anlagen von allen Blaͤttern des ſchon in ſeiner Anlage be⸗ ſtimmt begrenzten Zweiges mit enthaͤlt, bei anderen Baͤumen,
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