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Kameralistische Encyclopädie : Handbuch der Kameralwissenschaften und ihrer Literatur für Rechts- und Verwaltungs-Beamte, Landstände, Gemeinde-Räthe und Kameral-Candidaten / von Edward Baumstark
Entstehung
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WVorrede.

Eine gute Encyelopädie zu ſchreiben iſt eine der ſchwerſten Auf⸗ gaben der Schriftſtellerei. Hier findet das Paradoxon ſeine An⸗ wendung, daß man ſehr vieles wiſſen ſoll, um wenig ſchreiben zu können. Und ohne Zweifel am meiſten gilt dies bei einer kamera⸗ liſtiſchen Encyelopädie, die ſolche und ſo viele wiſſenſchaftliche Fächer in ſich ſchließt, daß man von jedem Einzelnen nicht blos beſondere Encyelopädien verfaſſen könnte, ſondern auch ſchon ver⸗ faßt hat. Irre ich nicht, ſo iſt dies wohl ein Hauptgrund, warum wir keine, dem jetzigen Geiſte und Stande der Kameralwiſſenſchaft entſprechende, genügende Eneyelopädie beſitzen. Nicht zu ge⸗ denken, daß jene Encyclopädien die beſten ſind, welche zugleich dem Geiſte der behandelten Wiſſenſchaft einen neuen Schwung ge⸗ ben und derſelben eine neue Seite von Werth abgewinnen, ſo darf man, da zu jener Aufgabe äußerſt ſelten ein tauglicher Kopf erſteht, mit allem Recht von einer ſolchen fordern, daß ſie den beſtehenden Geiſt der Wiſenſchaft treffe. Selbſt wenn er ein ſchwacher, ver⸗ irrter iſt, kann ſie immer noch nützlich ſein, indem ſie vorurtheils⸗ frei und ſcharf urtheilt und von dem Zuſtande des wiſſenſchaftlichen Treibens ein wahres und helles Bild gibt. Es iſt ſogar oft nicht anders möglich, als ſo zu verfahren. Bei ſolchen eminent prak⸗ tiſchen Fächern, wie die kameraliſtiſchen ſind, die aus der Er⸗ fahrung ſchöpfen, und bei denen man faſt wünſchen möchte, daß es in einem gewiſſen Sinne gar keine Wiſſenſchaft gebe, iſt es nicht ſo, wie bei der Philoſophie, thunlich, alle Paar Jahre ein eigenthümliches Syſtem, dunkel oder klar, aufzuſtellen, und der liebe Gott hat es ſo ebenfalls recht wohl gemacht. Deßhalb darf der Schriftſteller auch nicht auf rauſchenden Beifall hoffen. Es iſt hier ſchon Verdienſt, wenn man die Wiſſenſchaft in einem guten Geiſte zu conſolidiren vermag. Das Zeugniß, welches man dem kameraliſtiſchen Treiben in dieſer Hinſicht zu geben geuöthigt iſt, glänzt nun freilich eben keineswegs ſo ſtark, als wohl Mancher glauben möchte. Die wahrhaft befähigten Köpfe ſind unter den der Kameralwiſſenſchaft Befliſſenen, wenigſtens in Süddeutſchland, weit ſeltener als in jedem andern wiſſenſchaftlichen Zweige, den theologiſchen ausgenommen. Dies kommt theils von dem noch nicht