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Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie / von Justus Liebig
Entstehung
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Gift, Contagien, Miasmen. 331

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Unter allen Beſtandtheilen des lebenden Organismus giebt es keinen, welcher in ſeiner Schwäche des Widerſtandes gegen äußere Thätigkeiten mit dem Blute verglichen werden kann; denn es iſt nicht ein entſtandenes, ſondern ein entſtehendes Or⸗ gan, es iſt die Summe der entſtehenden Organe; die chemiſche Kraft und Lebenskraft halten ſich einander in ſo vollkomme⸗ nem Gleichgewichte, daß jede, auch die feinſte Störung, durch welche Urſache es auch ſei, eine Veränderung im Blute be⸗ wirkt; es kann nicht von dem Körper getrennt werden, ohne eine augenblicklich erfolgende Umwandlung zu erfahren, es kann mit keinem Organ im Körper in Berührung treten, ohne ſeiner Anziehung zu unterliegen.

Jede, auch die ſchwächſte Einwirkung einer chemiſchen Thä⸗ tigkeit, ſie übt, in das Blut gebracht, eine nachtheilige Verän⸗ derung aus, ſelbſt der durch Zellen und Häute vermittelte mo⸗ mentane Contact mit der Luft in der Lunge ändert Farbe und Beſchaffenheit; eine jede chemiſche Action pflanzt ſich im Blute fort, der Zuſtand einer in Zerſetzung, Fäulniß, Gährung und Verweſung begriffenen Materie, die chemiſche Action, in wel⸗ cher die Beſtandtheile eines in Zerſetzung begriffenen Körpers ſich befinden, ſie ſtören den Zuſtand des Gleichgewichts zwi⸗ ſchen der chemiſchen Kraft und der Lebenskraft im Blut. Die erſtere erhält das Uebergewicht; zahlloſe Modificationen in der Zuſammenſetzung, dem Zuſtande, der aus den Elementen des Blutes gebildeten Verbindungen, ſie gehen aus dem Kampf der Lebenskraft mit der chemiſchen Action, die ſie unaufhörlich zu überwältigen ſtrebt, hervor.

Dem ganzen Verhalten aller Erſcheinungen nach läßt ſich den Contagien kein eigenthümliches Leben zuſchreiben; ſie üben