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Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie / von Justus Liebig
Entstehung
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Die Aſſimilation des Kohlenſtoffs.

Die Blätter und grünen Theile aller Pflanzen ſaugen nemlich kohlenſaures Gas ein und hauchen ein ihm gleiches Volumen Sauerſtoffgas aus.

Die Blätter und grünen Theile beſitzen dieſes Vermögen ſelbſt dann noch, wenn ſie von der Pflanze getrennt ſind; bringt man ſie in dieſem Zuſtande in Waſſer, welches Kohlen⸗ ſäure enthält, und ſetzt ſie dem Sonnenlichte aus, ſo ver⸗ ſchwindet nach einiger Zeit die Kohlenſäure gänzlich, und ſtellt man dieſen Verſuch unter einer mit Waſſer gefüllten Glasglocke an, ſo kann man das entwickelte Sauerſtoffgas ſammeln und prüfen; wenn die Entwicklung von Sauerſtoffgas aufhört, iſt auch die gelöſte Kohlenſäure verſchwunden; ſetzt man aufs Neue Kohlenſäure hinzu, ſo ſtellt ſie ſich von Neuem ein.

In einem Waſſer, welches frei von Kohlenſäure iſt, oder ein Alkali enthält, was ſie vor der Aſſimilation ſchützt, ent⸗ wickeln die Pflanzen kein Gas.

Dieſe Beobachtungen ſind zuerſt von Prieſtley und Senne⸗ bier gemacht, und von de Sauſſure iſt in einer Reihe vor⸗ trefflich ausgeführter Verſuche bewieſen worden, daß mit der Abſcheidung des Sauerſtoffs, mit der Zerſetzung der Kohlen⸗ ſäure die Pflanze an Gewicht zunimmt. Dieſe Gewichtsver⸗ mehrung beträgt mehr, als der Quantität des aufgenommenen Kohlenſtoffs entſpricht, was vollkommen der Vorſtellung gemäß iſt, daß mit dem Kohlenſtoff gleichzeitig die Elemente des Waſſers von der Pflanze aſſimilirt werden.

Ein eben ſo erhabener als weiſer Zweck hat das Leben der Pflanzen und Thiere auf eine wunderbar einfache Weiſe aufs engſte aneinander geknüpft.

Ein Beſtehen einer reichen üppigen Vegetation kann ge⸗ dacht werden ohne Mitwirkung des thieriſchen Lebens, aber die 2*