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Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie / von Justus Liebig
Entstehung
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Die Aſſimilation des Kohlenſtoffs.

Lande hervorgebracht, nicht mehr beträgt, als der Kohlenſtoff des ungedüngten. Die Frage nach der Wirkungsweiſe des Düngers hat mit der nach dem Urſprung des Kohlenſtoffs nicht das Geringſte zu thun. Der Kohlenſtoff der Vegetabi⸗ lien muß nothwendigerweiſe aus einer andern Quelle ſtammen, und da es der Boden nicht iſt, der ihn liefert, ſo kann dieſe nur die Atmoſphäre ſein.

Bei der Löſung des Problems über den Urſprung des Koh⸗ lenſtoffs in den Pflanzen hat man durchaus unberückſichtigt gelaſ⸗ ſen, daß dieſe Frage gleichzeitig den Urſprung des Humus umfaßt.

Der Humus entſteht nach Aller Anſicht durch Fäulniß und Verweſung von Pflanzen und Pflanzentheilen; eine Urdamm⸗ erde, einen Urhumus kann es alſo nicht geben, denn es waren von dem Humus Pflanzen vorhanden. Wo nahmen nun dieſe ihren Kohlenſtoff her, und in welcher Form iſt der Kohlenſtoff in der Atmoſphäre enthalten?

Dieſe beiden Fragen umfaſſen zwei der merkwürdigſten Naturerſcheinungen, welche, gegenſeitig ununterbrochen in Thä⸗ tigkeit, das Leben und Fortbeſtehen der Thiere und Vegetabilien auf unendliche Zeiten hinaus auf die bewunderungswürdigſte Weiſe bedingen und vermitteln.

Die eine dieſer Fragen bezieht ſich auf den unveränderlichen Gehalt der Luft an Sauerſtoff: zu jeder Jahreszeit und in allen Klimaten hat man darinn in 100 Volum⸗Theilen 21 Volum Sauerſtoff mit ſo geringen Abweichungen gefunden, daß ſie als Beobachtungsfehler angeſehen werden müſſen.

So außerordentlich groß nun auch der Sauerſtoffgehalt der Luft bei einer Berechnung ſich darſtellt, ſo iſt ſine Menge dennoch nicht unbegrenzt, ſie iſt im Gegentheil eine erſchöpfbare Größe.

Wenn man nun erwägt, daß jeder Menſch in 24 Stun⸗ den 45 Cubicfuß(heſſiſche) Sauerſtoff in dem Athmungsproceß