Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1821) Lehrbuch der Landwirthschaft. Zweiter Band
Entstehung
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In allen Ländern, wo der Boden mehr vertheilt, und durch freie Eigenthümer, durch Dienſtboten bewirthſchaftet wird, die unter dem Auge des Dienſtherrn leben, und von ihm bekö⸗ ſtiget werden, findet man eine größere Sittlichkeit unter dem Dienſtvolk, als da, wo es auf Deputat geſetzt iſt, oder als Tag⸗ löhner ſich ſelbſt überlaſſen iſt.

9. Die Klagen über das Dienſtvolk, daß es faul, grob, ungeſchickt und untreu ſey, fallen größten Theils auf die üͤberall vernachläßigte öffentliche Erziehung der dienenden Klaſſe, und zum Theil auf die Dienſtherren ſelbſt zurück, die nur allzuhäufig roh, unſittlich, unwiſſend und filzig ſind, in keinem Falle den Dienern zum Muſter dienen, oder ihnen Vorwürfe zu machen berechtiget wären, die dieſe

nicht auf jene zurückſchieben könnten.

C. Von der Wirthſchaftsrechnung.

1. Ob man Vortheil oder Schaden aus dem Betriebe der Wirthſchaft gezogen, und in welchem Verhältniß der eine oder andere Zweig der Wirthſchaft hiezu beigetra⸗ gen habe, wird nur durch die Rechnung erſichtlich. Ohne Rechnung hat man nur Muthmaßungen, durch die Rech⸗ nung erlangt man erſt klare Begriffe.

2. Der Hauptzweck einer jeden Wirthſchaftsrech⸗ nung iſt, zu zeigen, wie ſich das in der Wirthſchaft lie⸗ gende Kapital verzinſet habe.

3. Das Wirthſchafts⸗Kapital iſt aber von dreifacher Art. Jenes, welches im Grund und Boden, ſo wie in den, zum Betriebe der Wirthſchaft erforderlichen Gebäuden liegt, heißt Grund⸗Kapital, die Zinſen hiervon die Grund⸗ venten. Das andere, welches in den, zum Betriebe nothwendigen, lebenden ſowohl als todten Fahrniſſen be⸗ ſteht: Vieh, Geräthe, Lebensmittel für Menſchen und

Thiere von einer Ernte zur andern, heißt Inventar ium; 26*