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471. Schon im 6ten Jahrhunderte, nach der Erbauung Roms,
erſchien das Archiſche Geſez, und unter den republikaniſchen und monakchiſchen Regierungen draͤngeen ſich die Aufwands⸗
verbote und Regulative. Frankreich und beynahe alle Europaͤi⸗
ſche Staaten haben dieſes Beyſpiel bis auf die neueſten Zeiten nachgeahmt.
Allen dieſen Geſezen, in ſoferne ſie nicht, wie das von den beruͤhmten Gracchen erneuerte Kaſſiſche und Liziniſche Ackergeſez, eine eigenthuͤmliche politiſche Tendenz hat⸗ ten, fehlte es an klarem, philoſophiſchen Sinn.
Das heiligſte Recht des Staatsbuͤrgers iſt freyer Ge⸗ brauch ſeiner Kraͤfte, alſo auch freye Benuzung ſeines Erwerbs und ſeines Eigenthums. Dieſe Ehrfurcht fuͤr Eigenthum im allgemeinſten Sinne, iſt die Baſis der buͤrgerlichen Geſellſchaft, des Staatsvereins. Ohne ſie iſt aller Gewerbfleiß paralyſirt, aller Wohlſtand undenkbar. Nie wird alſo die Nazional⸗ Oekonomie eine Staatspolizeygewalt mit der Berechtigung an⸗ erkennen: von der Haushaltung des einzelnen Staatsbuͤrgers Rechenſchaft zu fordern, die Quellen ſeines Erwerbs und ſei⸗
nes Aufwands zu bilanziren, und dem leztern Schranken
zu ſezen. Eine ſolche Staatsinquiſizion wuͤrde der Willkuͤhr unermeßlichen Spielraum oͤffnen, und alle Auellen des Na⸗ zionalwohlſtands auftrocknen. Die Staatspolizey muß ſich alſo, wenn ſie als Schuzgeiſt der Sitten erſcheinen ſoll, zu Maasregeln erheben, die mit dem reinem Prinzip der Nazio⸗ nal⸗Oekonomie, alſo der Befoͤrderung des Nazionalwohlſtands in Eintracht ſtehen.
Das vorzuͤglichſte und ausgebreitetſte iſt: die Befreyung der Induſtrie von allen Feſſeln, und die Befoͤrderung der Pro⸗ dukzion. Nur Freyheit kann die Induſtrie auf den hoͤchſtmoͤg⸗ lichen Grad ſpannen, und wenn die hoͤchſtmoͤgliche Maſſe von Erzeugniſſen hervorgebracht wird, ſo iſt eben dadurch dem Aufwand ein ſo fernes Ziel geſteckt, daß er nicht leicht bis zu dem Punkt ſteigen kann, den ich als lururioͤs bezeichne.
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