Teil eines Werkes 
3,1 (1811) Anweisung zur landwirthschaftlichen Baukunst : mit illuminirten Kupfern ; Theil 1, Abth. 1
Entstehung
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258 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude,

C. Von den Schafſtaͤllen.

§. 122.

Unter den Staͤllen ſind die Schafſtaͤlle diejenigen, welche im Innern nicht nur keine Abtheilungen erfordern, ſondern von den Oekonomen innerhalb ganz frei von Verbandſtuͤcken verlangt werden, weshalb ſelbige auch unter dieſen Abſchnitt gehoͤren. Die vielen Beiſpiele indeß, daß Schafſtaͤlle, welche dieſem Verlangen gemaͤß inner⸗ halb mit zu wenigem Verbande gebauet waren, von Sturmwinden umgeworfen wur⸗ den, ſind Beweiſe genug, daß auch hierin, ſo wie uͤberall, die Feſtigkeit nicht der Bequemlichkeit eines Gebaͤudes nachgeſetzt werden darf.

Ob in vielen Gegenden die Schafſtaͤlle zu den nothwendigen Gebaͤuden einer Landwirthſchaft gehoͤren, oder nicht, daruͤber ſind ſchon oft, eben ſo wie vorhin von den Scheunen geſagt iſt, Fragen aufgeworfen worden ,deren Entſcheidung ich erfahr nen Oekonomen uͤberlaſſe.

Anm. Es hat ſeine Richtigkeit, daß die Schafe vor allen andern Haus⸗ und Nutzthieren, we⸗ gen ihrer warmen Bedeckung, beſonders wenn ſie ſchon einigermaßen heran gewachſen ſind, ſich mehr im Stande befinden, der Haͤrte der Witterung zu trotzen. Zum Beweiſe deſſen fuͤhrt Herr Riem im dritten Stuͤck ſeiner Oekonomiſchen veterinatriſchen Hef⸗ te, Leipzig 1800 bei Voß, einen in Montbard im Burgundiſchen gemachten Verſuch an, wo 12 Schafe im Jahre 1767 vom aten November an, den ganzen Winter hin⸗ durch, bei Regen, Schnee und einem Froſte bis zu 13½ Grad Reaumur, nicht nur ohne das mindeſte Obdach ausgehalten haben, ſondern auch munterer und geſunder, als diejenigen Scha⸗ fe geblieben ſind, welche in Staͤllen eingeſperrt waren. Ferner ſagt Herr Riem daſelbſt:

Im Jahre 1770 wurden ein Stoͤhr⸗ und zwei Mutterſchafe in den Thiergarten in Mo⸗ Litzburg ausgeſetzt Man ließ ſee gleich dem darin befindlichen Wildprette ohne Obdach des Winters und Sommers herum laufen, wobei ſie die Fuͤtterung nur gleich dem Wild⸗ prette erhielten. Dieſe Thiere vermehrten ſich in einer Zeit von 12 Jahren bis auf 26 Stuͤck, ſie lammeten im Freien ohne menſchliche Huͤlfe gut und gluͤcklich, und wurden nicht geſcho⸗ ren, wodurch die Wolle eine ſolche Laͤnge erhielt, daß die Spitzen der Fuͤße und das Maul kaum zu ſehen waren. Krankheiten bemerkte man an ihnen gar nicht, ſie wurden groß und ſtark, und der Geſchmack ihres Fleiſches war wie vom Wildprett.

Alles dieſes ſcheint zu beweiſen, daß in Gegenden, welche nicht ſchon zu weit im Norden liegen, die hier gewoͤhnlichen großen Schafſtaͤlle, wenn nicht ganz zu entbehren, doch fuͤr die großen Schafe nur ein bloßes Dach mit offenen Ringwaͤnden, und fuͤr die kleinen Laͤmmer kleine, ganz umſchloſſene Staͤlle hinlaͤnglich ſeyn wuͤrden.

In England, in einigen Gegenden Frankreichs und auch in der Pfalz, wo zum Theil die Temperatur des Klimaes nicht gemaͤßigter, als hier iſt, werden daher die Schafe entweder gar nicht, oder doch nur in ganz oder halb offene Schafſtaͤlle getrieben.