Teil eines Werkes 
2 (1798) Handbuch der Land-Bau-Kunst, vorzüglich in Rücksicht auf die Construction der Wohn- und Wirthschafts-Gebäude für angehende Cameral-Baumeister und Oeconomen. 2
Entstehung
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16 Erſter Abſchnitt.

oder auf die Mittelwand, Mauerlatten gelegt werden, wie bei Fig. 6. zu⸗ ſehen, wodurch der Balken um mit den uͤbrigen verbunden wird.

Weil nun die Sparren auf die Stichbalken ſehr ſchieben, ſo koͤnnten ſelbige wohl in den Balken mi mit ſchwalbenſchwanzfoͤrmigen Zapfen, Fig. 12, eingelaſſen, und dabei auch noch mit eiſernen Klammern befeſtiget wer⸗ den. Die Gradſparren bewuͤrken vorzuͤglich wegen ihrer flachen Lage und gro⸗ ßen Laͤnge einen ſtarken Schub, weshalb es gut und nothwendig iſt, auf dieſe Grad⸗Stichbalken, eine ſtarke Bohle oder Halbholz aufzufuͤttern, und ſelbiges in mehrere Balken einzulaſſen, wie Fig. 6. od zeigt. Dieſe Auffutterung ſtehet zwar etwas uͤber den Balken und auch uͤber der Bedielung des Bodens hervor, welches aber auf den Dachboden nicht hindert.

Es iſt auch gleichfalls beſſer, die Stichbalken nicht ſaͤmmtlich in einen Balken zu ſtecken, wie Fig. 13. A, ſondern bei Eckgebaͤuden eine Abwechſe⸗ lung damit zu machen, wie Fig. 13. B zeigt; es muß aber ſehr wohl dahin geſehen werden, daß die in der Art abgekuͤrzten Hauptbalken, wie auch die Stichbalken, nicht nur mit einem Ende auf die Hauptmauern aufliegen, ſon⸗ dern daß auch das andere Ende dieſer Balken wenn ſie lang ſind, durch Schei⸗ dewaͤnde oder Unterzuͤge gehoͤrig unterſtuͤtzt werde, ſo daß keiner von dieſen Bal⸗ ken ohne noch ein beſonderes Auflager zu haben, nur bloß in einem andern Balken verzapft werde.

Anm. Bei vorzunehmenden Veraͤnderungen in ſolchen Gebaͤuden als beſonders bey etwani⸗ ger Wegnehmung und Einziehung anderer Waͤnde, iſt wohl dahin zu ſehen, daß derglei⸗ chen Balkenlagen nicht ihre Unterſtuͤtzung dadurch verlieren, und es muß ſich alſo die Moͤglichkit oder das Unthunliche der Veraͤnderung hiernach richten.

§. 6.

Vom Kehl⸗ Bey ſolchen Gebaͤuden, welche einen Winkel, oder nach der Kunſtſpra⸗ Stichbalken. che eine Wiederkehr machen, koͤmmt in der Spitze des inneren Winkels a, Fig.

14. A, ein Sparren zu ſtehen, wie die perſpectiviſche Zeichnung, Fig. 14. E, ef, nachweiſet; dieſer wird der Kehlſparren genannt. Nun ſind gemeiniglich in den Ecken ſolcher Gebaͤude Scheidewaͤnde vorhanden, wie Fig. 14 A, welche gerade in die Spitze eines ſolchen Winkels zuſammenſtoßen. In der Zeich⸗ nung Fig. 14. B, iſt dieſer Winkel, nach einem etwas groͤßerm Maasſta⸗ be vorgeſtellt; r und s ſind die beiden Balken auf den vorgedachten Scheide⸗ waͤnden,(welche aber doch dieſe nehmliche Lage haben wuͤrden, wenn auch keine

Waͤnde darunter befindlich waͤren) m und n ſind die Zapfenloͤcher in dieſen Balken,