Von den Balkenlagen und Decken. 3
verhaͤlt ſich nach obiger Berechnungsart, der Widerſtand der Bohle zu dem des Balkens wie 3 zu 1, das iſt, die Bohle kann auf die ſchmale Seite ge⸗ ſtellt, zweimal mehr Widerſtand leiſten als der Balken.
Ob nun zwar auch dieſe Regel nicht immer ganz genau zutrift, ſo laſ⸗ ſen ſich doch viele nuͤtzliche Folgerungen daraus herleiten; denn wenn man es gleich in der Baukunſt, vorzuͤglich bey Haͤuſern, Bruͤcken ꝛc. ꝛc. ſelten mit ein⸗ zelnen Balken zu thun hat, ſondern die Belaſtung auf mehrere in gewiſſen Entfernungen gelegte Balken vertheilt wird*), da ferner dergleichen Balken⸗ lagen oder Gebaͤlke in den Gebaͤuden, auch noch die dazwiſchen befindlichen Decken zu tragen haben, ſo folgt doch aus obgedachten Theorien fuͤr die Kon⸗ ſtruction der Gebaͤude, der allgemeine Grundſatz; daß die auf die hohen Kan⸗ ten gelegte Balken ungemein mehr zu tragen vermoͤgen, als diejenigen, welche quadratiſch hehauen, oder die gar auf der breiten Seite gelegt worden**).
*) Die Vertheilung der Laſt auf die Balken geſchieht vermoͤge der queer uͤber die Balken gelegten Bedielung.
Man verſuche einmal durch Bewegung des Koͤrpers einen Balken zu erſchuͤttern, ehe die Bedielung geſchehen, ſo wird man die Erſchuͤtterung weit merklicher verſpuͤren, als nachdem der Dielenboden uͤber mehrere Balken weg gelegt worden, wo faſt gar keine Bewegung mehr zu verſpuͤren iſt.
**) Man findet aber die Regel, die Balken auf die hohe Kante zu ſtellen, weder von den Bauenden noch von den Zimmerleuten jederzeit beobachtet, weil es eine ſorgfaͤltigere, und mithin auch eine Auswahl des etwas theuerern Balkenholzes erfordert, anderntheils, weil hochkantige Balken mit etwas mehrerer Genauigkeit bearbeitet werden muͤſſen, und endlich ſo wird auch eine Schwaͤchung der hochkantig geſtellten Balken beſorgt, weil die Falze zu den Staakhoͤlzern der Windelboden, ſodann von beiden Seiten in die ſchmale Seite der Balken eingehauen werden möuͤſſen.
Da nun letzteres nicht ganz ohne Grund iſt, ſo ſollte man ſich leichterer Decken als der gewoͤhnlichen bedienen, wozu in der Folge die Anweiſung vorkommt.
Eben ſo wenig, als die Balken auf die hohe Kante zu ſtellen, wird gemeiniglich auf die rechte Lage derſelben in Abſicht ihres Wuchſes geſehen; da die mehreſten Winde aus We⸗ ſten und Norden entſtehen, ſo haben die Baͤume von dieſer Seite her jederzeit eine Kruͤm⸗ mung; die Zimmerleute nennen dieſe Seite die Winterſeite des Holzes. Wenn nun die Bal⸗ ken ſo gelegt worden, daß die convexe Seite des Baumes oben koͤmmt, ſo tragen ſie weit ſtaͤrker als im umgekehrten Fall: denn wenn gleich die Balken nach der Schnur gerade gehauen werden, ſo behalten die Fiebern doch eine nach oben gekehrte Kruͤmmung.
Man wird uͤberhaupt wohl thun, zu den Balken, als den Hauptſtuͤcken des Zimmer⸗Verbandes in einem Gebaͤude, in allen Faͤllen ſolches ſtarkes Holz anzu⸗ ſchaffen, daß die Balken die moͤglichſt groͤßte Hoͤhe bekommen koͤnnen; auch muß zu den Balken vorzuͤglich gutes, reifes oder voͤllig ausgewachſenes und trocknes Holz genommen werden. Das Holz iſt in der horizontalen Lage am ſchwaͤchſten und in der Mitte zum Zerbrechen am geneigteſten; wohingegen Holz, welches aufrecht ge⸗ ſtellet iſt, ſeinen groͤßten Widerſtand leiſtet. Man muß daher bey allen Verbindungen auf die Unterſtuͤtzung der horizontalliegenden Hoͤlzer, in oder neben ihrer Mitte oder eine ſonſtige Befeſtigung derſelben, in denen der Mitte nahe liegenden Punkten, zu
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