Teil eines Werkes 
1 (1797) Handbuch der Land-Bau-Kunst, vorzüglich in Rücksicht auf die Construction der Wohn- und Wirthschafts-Gebäude für angehende Cameral-Baumeister und Oeconomen. 1
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vorrede.

Vollſtaͤndigkeit zu jeder Zeit nur eine relative Eigenſchaft ſeyn kann, verſteht ſich von elbſt. V Der andere Vorwurf einer zu großen Ausfuͤhrlichkeit wird gewoͤhn⸗ lich von ſolchen gemacht, die von den Beduͤrfniſſen der Leſer eines Buches eine unrichtige Vorſtellung haben. So iſt mancher, wenn er in einem Lehrbuche der Baukunſt, eine ſehr ins kleine gehende Beſchreibung dieſer oder jener Manupulation findet, nur allzu geneigt, zu ſagen: das wiſſe ja jeder Maurer, Zimmermann u. ſ. f. Dieſe Bemerkung iſt ſchon groͤßtentheils ungegruͤndet, wenn man ſie auch nur mit den wirk⸗ lichen Beduͤrfniſſen eines großen Theils der Claſſe, auf welche ſie unmittelbar gerichtet iſt, vergleicht. Sie erſcheint aber in ihrer voͤlligen Ungerechtigkeit, wenn man erwaͤgt, daß der⸗

gleichen Vorſchriften fuͤr den jungen Baumeiſter, der jedes Detail kennen lernen muß, um jedes zu verfolgen und richtig zu beurtheilen, daß ſie fuͤr den Bauherrn, der vielleicht

weniger geſchickten Arbeitern Preis gegeben, in einer eigenen ſachverſtaͤndigen Oberauf⸗ ſicht bei ſeinem Bau unſchaͤtzbare Vortheile finden muß, beſtimmt ſind.

Dieſe Grundſaͤtze haben mich bei der Ausarbeitung des folgenden Handbuches geleitet, und ich darf mir ſchmeicheln, daß diejenigen, welche von aͤhnlichen ausgehen, und dabei den Titel des Werks immer im Auge behalten, und nicht etwa hier Mate⸗

rien ſuchen, die meinem Zwecke ganz fremde ſind, dem Plane des Ganzen ihren Beifall

ſchenken werden.

Wmas die Ausfuͤhrung betrift, ſo iſt wohl nichts natuͤrlicher, als daß in einem Werke von ſo betraͤchtlichen Umfange und von ſo großer Mannigfaltigkeit der Gegen⸗ ſtaͤnde, nicht alles gleich vollkommen ſeyn kann. Ich darf indeſſen ſo viel ohne Ruhm⸗ redigkeit ſagen, daß ich bei der Ausarbeitung dieſes Buches nicht allein die wichtigſten groͤßern und kleinern Schriften die vor mir, in unſrer und in andern Sprachen uͤber den Theil des Bauweſens, der meinen Zweck ausmacht, erſchienen ſind, ſorgfaͤltig zu Rathe gezogen, ſondern daß ich auch durchgehends die Reſultate einer langen Erfah⸗ rung in wichtigen Baugeſchaͤften, darin auszudruͤcken und zu benutzen geſucht habe. Auf die Deutlichkeit der Beſchreibungen und Vorſchriften habe ich den moͤglichſten Fleiß gewendet; wer es verſucht hat, wird wiſſen, mit wie viel Schwierigkeiten ein deutlicher Vortrag uͤber techniſche Gegenſtaͤnde verknuͤpft iſt. Ich hoffe indeſſen, daß mit Huͤlfe der zwar an ſich nicht eleganten, aber doch moͤglichſt deutlichen Kupfer, ein aufmerkſamer Leſer allenthalben ſeine Befriedigung finden wird.

Berlin, im December 1796. n

Der Werfaſſer.

8 4

1

111n

.