Teil eines Werkes 
1 (1797) Handbuch der Land-Bau-Kunst, vorzüglich in Rücksicht auf die Construction der Wohn- und Wirthschafts-Gebäude für angehende Cameral-Baumeister und Oeconomen. 1
Entstehung
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dem der Beurtheiler ſeinen Standpunkt erwaͤhlt, eine groͤßere oder kleinere Sphaͤre

Vorrede.

in Lehrbuch uͤber eine praktiſche Wiſſenſchaft kann, in Ruͤckſicht auf Plan und innere Oekonomie, von zwei einander entgegen geſetzten Seiten angegriffen und getadelt werden. Man kann es entweder zu unvollſtaͤndig, oder zu ausfuͤhr⸗

lich finden. Der Begriff der Vollſtaͤndigkeit iſt bei einem ſolchen Buche allemal ein unbe⸗ ſtimmter Begriff, weil die Grenzen deſſen, was in einer Wiſſenſchaft eigentlich praktiſch iſt, nicht mit vollkommener Genauigkeit angegeben werden koͤnnen, und daher, je nach⸗

einſchlieſſen.

So koͤnnte z. B. wenn bei irgend einer architektoniſchen Vorſchrift in einem Lehr⸗ buche, der naͤchſte Grund(der Feſtigkeit, der Dauerhaftigkeit ꝛc.) Angegeben, auch allenfalls wohl im Allgemeinen gezeigt wird, warum dieſe oder jene Konſtruktion zu dieſer oder jener Eigenſchaft eines Gebaͤudes fuͤhrt, ein Freund der Theorien noch einige Schritte weiter gehen, und den Grund dieſes Warum ‚vielleicht auch wieder den Grund dieſes Grundes, und ſo bis zu den erſten Gruͤnden herauf, die ſubtilſten Raiſon⸗ nements und Calculs verlangen, die das Lehrbuch der Baukunſt, in ein Syſtem der hoͤhern Mechanik, Statik u. ſ. w. verwandeln wuͤrden.

Ein anderer koͤnnte da, wo zwei, drei und mehrere Methoden zur Aufloͤſung einer praktiſchen Aufgabe erklaͤrt ſind, gerade noch eine andre zufaͤlliger Weiſe ihm bekannte, in der Gegend wo er wohnt gebraͤuchliche Methode vermiſſen, und den Vortrag deshalb der Unvollſtaͤndigkeit beſchuldigen, 5

Was aber ein erleuchteter und billiger Richter Vollſtaͤndigkeit eines ſolchen Werks nennen wird, ſcheint mir erreicht zu ſeyn, wenn auf der einen Seite die Gruͤnde der Vorſchriften ſo weit angegeben ſind, daß es ſich uͤber einen blinden Mechanismus erhebt, auf der andern Seite aber die Schranken, welche eine praktiſche Anleitung von einer mathematiſchen Theorie trennen, nie uͤberſchritten werden; wenn ferner bei einem jeden Hauptgegenſtande die wichtigſten, vorzuͤglichſten und allgemein brauchbar⸗ ſten Regeln, Methoden und Handgriffe(ohne bei der unerſchoͤpflichen Mannigfaltigkeit derſelben ſchlechterdings alle beruͤhren zu wollen) aufgeſtellet ſind. Daß uͤbrigens in einer Wiſſenſchaft, die taͤglich durch neue Erfindungen vermehrt und erweitert wird,