66 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen
und Einlegen, ſondern uͤberzeugt ſich naͤher nach Um— fang und Gewicht von den Vorraͤthen und vertheilt dieſe etwas uͤber die Zeit, wann die Stoͤrche erſcheinen, fuͤr unvorhergeſehene Faͤlle weiter hinaus. Schon die Schur⸗ zeit erfordert dieſe Vorſicht; die Regentage aber blei— ben ungewiß.
Ergiebt ſich bei einem Ueberſchlag der Futter-Vor⸗ raͤthe gleich nach der Erndte im Verhaͤltniß zum Be⸗ ſtand der Heerde ein Defizit: ſo wird zunaͤchſt die fol⸗ gende Lammzucht beſchraͤnkt. Die ſchwaͤcheren Mutter⸗ ſchaafe, gleichviel von welchem Alter, werden zuruͤckge— laſſen. Dieſe Verfuͤgung gewaͤhret den Vortheil, daß im Fruͤhjahr Futter erſpart wird; daß das ſchwaͤchere Muttervieh zu Kraͤften gelangen kann, und keine ſchwache Nachzucht in die Heerde eingeſchoben wird. Die Raſſe bleibt alſo kraͤftig.
Reicht die Beſchraͤnkung der Lammzucht noch nicht zu, dem vorauszuſehenden Mangel an Unterhalt zu weh⸗ ren, ſo verdient die nothwendige Erhaltung eines kraͤf⸗ tigen Mutterſtammes die allererſte Beruͤckſichtigung, und demnaͤchſt die Erhaltung aller uͤbrigen in einem gleichen Zuſtande. Zu dem Ende muß alles Schwaͤchliche ohne Unterſchied des Alters und Geſchlechts in ſo weit aus den Heerden entfernt werden, bis hinlaͤngliche Siche— rung da iſt, damit nicht alle miteinander durch eine zu kaͤrgliche Fuͤtterung fuͤr jede Krankheit reif werden, und zugleich weniger und nach Umſtaͤnden eine ſchlech⸗—
tere Wolle geben, als bei einer gehoͤrigen Gleichſtellung
der Stuͤckzahl zu den Vorraͤthen. Bleibt aber der Mutterhaufen wohl erhalten, ſo ſtellt ſich die vorige Groͤße einer Heerde bald wieder her.


