Druckschrift 
Ueber den gegenwärtigen Stand der Merinos-Schaaf-Zucht ... besonders in Europa : nebst einer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll-Handels / von J. Ph. Wagner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen

noch oft am Hinterkopf. Wenn uͤbrigens die Verſchie⸗ denheit der Wolle auf dem Kreuze von der auf den beſſeren Theilen in der Feinheit der Bogen und des Durchmeſſers ohngefaͤhr nur um* differirt, ſo iſt der Zuchtſtaͤhr unter Vorausſetzung der uͤbrigen Erforderniſſe anzunehmen. Die Wolle artet alsdann gut fort. Die⸗ ſes iſt ebenfalls eine gewiſſe Erfahrung.

Soll eine Merinos-Zucht ſicher geleitet werden, ſo muͤſſen erſt alle zuvor erwaͤhnten Forderungen befriediget ſein, bevor an die Feinheit gedacht wird.

Dieſe ergiebt ſich aber ſo ziemlich ſchon von ſelbſt, wenn das geſunde unbewaffnete Auge nur Gleichheit unter den Haaren entdeckt. Daß dieſe auch fuͤr die In ſtrumente nie vollkommen gleich ſein werden, dies laͤßt ſich aus anderen Erſcheinungen in der Natur⸗Erzeugung vermuthen. Bei einer jeden uns gleichartig vorkommen⸗ den Wolle aber laͤßt ſich ſchon vorausſetzen, daß ſie mit unter die feinſte gehoͤrt. Eine naͤhere Ueberzeugung davon gewaͤhret uns die Unterſuchung ihrer Geſtalt und ihres Durchmeſſers.

Die Diskuſſionen uͤber die Zulaͤſſigkeit der Biegun⸗ gen des Merinos-Haares als Feinheits-Maaßſtab ſchei nen endlich zum Stillſtande gekommen zu ſein. Auch nicht einen einzigen gegruͤndeten Beweis hat man da gegen aufbringen koͤnnen. Daß ſie nicht bei allen Ar ten von Wolle anwendbar gefunden wurden, war natuͤr lich. Schlechte Wolle hat keine Kraͤuſelungen, das Lammhaar der Merinos ebenfalls nicht. Bei dieſem finden ſich dieſelben erſt nach der erſten Schur. Der veredelten Wolle fehlen die regelmaͤßigen Kraͤuſelungen. Nur an echter Merinos⸗Wolle mit gleichfoͤrmigen Bie⸗ gungen geben dieſe einen Feinheits-Meſſer ab, und zwar ſchon beim Jaͤhrling. Denn bei der naͤchſt darauf fol⸗