6 I. Die Einfuͤhrung und Verbreitung
Abſcheeren war nur ein Kruͤtzen, und ſo war die ganze Darſtellung der Wolle als Waare aͤußerſt ſchlecht.
Endlich weckten die verſchiedenen Wollpreiſe zwiſchen Heerden von ohngefaͤhr gleichem Schlage die Aufmerk⸗ ſamkeit der Beſitzer. Zunaͤchſt befliß man ſich einer reinlicheren Herſtellung der Wolle. Man ſorgte fuͤr ge⸗ hoͤrige Streue und Waͤſche, fuͤr die Reinhaltung der Scheerplaͤtze, und fuͤr die Erhaltung des Zuſammenhangs des Vließes beim Scheeren und Verpacken. Allein, all' dies Beſtreben nach Verbeſſerungen fand in den wirth— ſchaftlichen Einrichtungen, in oͤrtlichen Beſchaffenheiten, in der Gewohnheit und Traͤgheit der Leute und ſelbſt in Vorurtheilen der Beſitzer ſehr große Hinderniſſe. So ſchuͤtzte die Einrichtung der Raufen nicht vor dem Ein— ſtreuen des Futters; die gewoͤhnliche Weiſe zu waſchen ließ nicht allenthalben die Waͤſche gleich gut gelingen; zum Abſcheeren der Merinos⸗Wolle fehlte es an paſſen⸗ deren Inſtrumenten. Alle dieſe Urſachen zuſammen ge⸗ nommen ließen das beſſere Verfahren nur langſam vor⸗ ſchreiten. Daher denn ſo große Verſchiedenheiten der Marktpreiſe zwiſchen aͤhnlichen Partien, indem es dem Fabrikanten einen Unterſchied macht, ob die Wolle unter ſeinen Haͤnden noch 20 oder 50 Procent bei der letzten Reinigung verliert.—
Zuletzt konnte es aber nicht fehlen, daß aͤußer⸗ lich gleichbeſchaffene Partien von ohngefaͤhr gleicher Quantitaͤt dennoch zu bedeutend verſchiedenem Werthe ge— ſchaͤtzt wurden. Der Grund davon lag in der Verſchie⸗ denheit der Natur der Wolle ſelbſt.
Die Beſitzer trachteten nun mehr nach hoͤherer Fein⸗ heit der Wolle und Ausgleichung der Vließe.
Dieſes Beſtreben mußte aber um ſo oͤfterer miß— lingen, je weniger noch die Erfahrungen vom Gange der
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