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Ueber den gegenwärtigen Stand der Merinos-Schaaf-Zucht ... besonders in Europa : nebst einer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll-Handels / von J. Ph. Wagner
Entstehung
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4 I. Die Einfuͤhrung und Verbreitung

in Podolien und Neu-Rußland mit Merinos⸗

Staͤmmen beſetzt, welche ſich gegenwaͤrtig auf

12,000 Stuͤck belaufen ſollen.

Ob alle ſeit 130 Jahren aus Spanien bezogenen Merinos von urſpruͤnglich echtem Stamme geweſen ſein moͤgen, iſt ſehr zu bezweifeln. Der Cardinal Kimenes verordnete die Vertheilung der Staͤhre im Lande umher zur Verbeſſerung der eingebornen Raſſen. Die Spanier haben daher eben ſowohl ihre Amerinados, als wir unſere Veredelten. Gleicher Weiſe koͤnnen diejenigen Merinos, welche in der neueren Zeit aus Frankreich nach dem Norden gewandert ſind, aus durchkreuzten Staͤmmen in Frankreich herruͤhren, eben ſo wie Schaafe aus Sachſen, Preußen und Oeſtreich, wenn ſie nur Merinos⸗Wolle tragen, als ſolche weiter verpflanzt werden.

Daran iſt nun auch bei der ſo leichten Umformung des Schaaf⸗Geſchlechts nicht viel gelegen, wenn nur die Bedingung erfuͤllt wird, daß diejenige Wollart, welche wir unter den vorhandenen ſuchen, unveraͤnderlich fort gepflanzt werden kann, was alſo ein gewiſſes Alter der grundſaͤtzlich veredelten Generationen vorausſetzt. Zudem koͤnnen wir nicht wiſſen, was fuͤr eine Varietaͤt die ur⸗ ſpruͤnglichen Merinos in großen Heerden durchſchnittlich getragen haben moͤgen. Daß aber die fuͤr Sachſen unter den Merinos in Spanien getroffene Auswahl das Vorzuͤglichſte aus alten Staͤmmen enthalten haben muͤſſe, was nur zu finden geweſen ſein mag, beweiſet die Zuverlaͤſſigkeit ihrer Fortpflanzung unter ſich und auf fremden Raſſen.

Von der Wolle der zuerſt in Sachſen eingefuͤhrten Merinos ſind keine Proben mehr vorhanden.

Kurz nach der erſten Einfuͤhrung der Merinos in

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