10 §. 12. Wieſenwachs Kurheſſens. In Kurheſſen nehmen die Grasländer eine Fläche von 503,604 Morgen, die Ackerländer aber eine Area von 1,652,321 Morgen ein. Daurch reichlichen Wieſenwachs zeichnet ſich beſonders Niederheſſen aus. Zwar iſt derſelbe auch in Oberheſſen, namentlich in den kleinen Fluß⸗ ggeebieten, nicht gering, jedoch nicht zureichend. Dagegen beſitzt letztere Provinz geſunde und zahlreiche Weiden an Bergen und Fettweiden im den Thaͤlern. An beiden mangelt es auch in Fulda nicht; aber der ge⸗ ſammte Grasbau bedarf hier noch mannichfacher Reform. Herrliche Wieſen finden ſich in Hanau im Main⸗ und Kinzigthal. Die neuerer Zeit bewilligten Beihülfen zu Wieſenverbeſſerungen aus Staatsfonds, im Beſondern das Anlernen von Wieſenbauern, äußern auf die Vervollkommnung und Erträglichkeit der heimiſchen Wieſenwirthſchaft zuſehends wohlthätigen Einfluß.— Wieſenbau in Hohenzollern, Homburg, dem Frankfur⸗ ter Gebiete.. Im Ganzen genommen kann man annehmen, daß in dieſen Gegen⸗ den dem Wieſenwachſe der vierte Theil der cultivirten Oberfläche ge⸗ widmet iſt. In einigen Gegenden, z. B. in Hechingen, wo die frucht⸗ baren Thalwieſen von der Starzel, Vohlenbach und andern klei⸗ nen Bächen bewäſſert werden, liefert das Grasland einen ſehr hohen Ertrag. Selbſt in dem nicht ſehr fruchtbaren und klimatiſch rauhen Sigmaringen befördern künſtliche Wieſen eine ausgezeichnete Vieh⸗ zucht; in Haigerloh wird ſolche durch ſtarken Futterbau unterſtützt, welcher letztere in Vöhringen zur Grundlage einer ausgebreiteten Zie⸗ genwirthſchaft dient.
§. 14. Herzogthums Braunſchweig Wieſenwachs.
Wie überall die hieſige Landwirthſchaft ſich minder durch die Maſſe ihrer Erträge, als durch ein vortheilhaftes Verhältniß derſelben zur cultivirten Fläche auszeichnet, ſo charakteriſirt ſich auch der Wieſen⸗ bau dieſes Landes durch eine umſichtige Benutzung der ihm zu Gebote ſtehenden Hülfsmittel. Das Geſammt⸗Areal der Wieſen mag 74,750 Morgen ſeyn und ſich zu dem des Ackerlandes ungefähr wie 1:7 verhalten. Allenthalben netzt, erquickt und befruchtet der Waſſerdünger die natürlichen Grasänger; denn außer den beiden Hauptflüſſen, der Weſer— deren Thal durch ihre romantiſchen Abwechslungen und er⸗ habenen Naturſchönheiten zu den maleriſchſten Gegenden Deutſchlands


