450 i) Franzöſiſche, landesübliche Compoſtbereitung. §. 465.
Man verfährt in Frankreich bei der Compoſtbereitung auf folgende Art:
Es wird hinter den Stallungen eine Grube von 6—8 ◻“ Oberflaͤche und 11* Tiefe gegraben und mit Lehm waſſerdicht ge— macht. In dieſe leitet man den Urin, bis er eine Höhe von 40 bis 50“ erreicht hat, und wirft in denſelben 10 Schubkarren Stallmiſt, Federmiſt, Garten- und Küchenabfälle, Quecken und ſonſtige Unkräͤuter. Darauf wird das Gemenge mit Gips und Kalk beſtreut und wieder dem Zufluſſe des Urins ausgeſetzt*).
§. 466.
Dieß ſind die vorzüglichſten Arten der Dungſalz⸗ und Compoſt— bereitung, und indem wir noch des in der neueſten Zeit angeprie⸗ ſenen Miſtdampfes erwähnen**), fügen wir noch die Bemerkung bei, daß ſich die Compoſterzeugung in der Landwirthſchaft ledig— lich auf ſolche Subſtanzen, welche für ſich allein nicht vortheilhaft angewendet werden können, als: Menſchenkoth, Abfälle von Kü— chen, Scheuern, Heuböden, Kehricht, Unkräuter aller Art u. dgl., beſchränken ſoll, und ſchließen unſern Gegenſtand mit dem ſehn— lichſten Wunſche, daß unſere Enkel mit gleicher Liebe und Sorg— falt die Statik des Landbaues, das noch zarte Pflänzchen des deut⸗ ſchen Bodens, pflegen moͤchten, damit es zu einem kräftigen Baume emporſtrebe und die biedern Germanen mit ſeinen Fruͤchten reich⸗ lich nähre, und du, Lenker unſerer Schickſale! laſſe dieſes Pflänz⸗ chen von der Sonne des Friedens beſcheinen.
*) Journal des connais. usuelles 1833, p. 77, und Univerſalblatt a. a. O., B. 7, S. 88.
) Miſtdampf von Waibel, St. Gallen 1835— erlebte drei Auf⸗ lagen(1); Annales de l' Agricult. français. 1837, p. 189, und Univerſal⸗ blatt a. a. O., B. 9, S. 36, und B. 13, S. 47.
Wenn Alles im 19. Jahrhunderte dampft, ſo will auch der Landmann in dieſer Beziehung nicht zurückbleiben, und da es ihm noch nicht gelungen iſt, ſeinen Pflug oder Wagen dampfen zu ſehen, und das gewöhnliche Miſtdampfen zu wenig Geräuſch verurſacht, ſo läßt er nun ſeinen Miſt zeitgemäß, alſo künſtlich dampfen, um das Geräuſch zu erhöhen und aus 1 Fuhre 20 Fuder des beſten Stallmiſtes zu erzeugen.— Der Glaube macht ſelig, warum nicht auch hier?
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