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§. 454.
Nicht minder unzureichend erſcheint die Erdſtreu in Beziehung auf die Thätigkeit mancher Bodenarten. Im III. Abſchnitte iſt ge— zeigt worden, daß unter den vielen chemiſchen Proceſſen vorzugs— weiſe der Gährungsproceß es iſt, durch welchen die Thätigkeit eines Bodens bedingt iſt. Wird nun ſtatt der gewöhnlichen Streu Erde angewendet, dann hat man eine weſentliche Bedingung der Gäh— rung des Stallmiſtes entzogen.
Die ſtickſtoffhältigen Ercretionen, das vorzüglichſte, ſeptiſche Ferment, ſind in ihrer Reaction auf ſich ſelbſt beſchränkt, da ſie in der anorganiſchen Beimengung keine Zerſetzung, keine Entbindung von Gasarten und keine Erwärmung, alſo keine gährungsfähige Veränderung hervorbringen konnen.
Enthält alſo ein Boden keine organiſche Ueberreſte, welche die vegetabiliſche Streu in dem Erdſtreudünger zu ſubſtituiren vermö— gen, dann fehlt ein Subſtrat der gegenſeitigen Reaction, mithin die Grundbedingung des vegetabiliſchen Lebens. Es kann alſo die Erde die gewöhnliche Streu auch in Beziehung auf die Thätigkeit der Grundſtücke nicht vollkommen erſetzen*).
§. 453. Welche Wirkungen die dem Stallmiſte beigemengte Erde als ſolche bei der Vegetation hervorzubringen vermag, iſt bereits in den §§. 45— 51 nachgewieſen worden.
*) Es iſt bereits geſagt worden, daß der Gährungsproceß im Haushalte der Natur eine weit erhabenere Beſtimmung hat, als die der Erzeugung von Bier, Wein, Branntwein, Eſſig ꝛc. Die Gährung iſt, ſo paradox es Man⸗ chem erſcheinen mag, das Grundprincip des Lebens, geſtellt unter eine uns noch unbekannte Kraft; daher ſehen wir die propagatio aequivoca dort ih⸗ ren Culminationspunct erreichen, wo eine raſche Gährung Statt findet, oder wir nehmen eine reichliche Bildung der Pilze und anderer cellulären Ge— wächſe, ſo wie mancher Thiere nur dort wahr, wo organiſche Körper zerſetzt werden; daher prangen nur jene Grundſtücke mit der Fülle ihrer Erzeugniſſe, wo animaliſche, vegetabiliſche und anorganiſche Stoffe in einem entſprechen— den Verhältniſſe aufeinander reagiren, ſich gegenſeitig zerſetzen und erwärmen; daher erſcheinen die bei dem Verdauungsproceſſe entweichenden Gasarten über— einſtimmend mit jenen, welche die freie, von keiner Lebenskraft geleitete Gäh— rung erzeugt ꝛc., und daher können wir mit Recht behaupten, daß die Aus— drücke:„die Gährung der Grundſtücke ſteigern, oder ihre Fruchtbarkeit erhö⸗ hen“, identiſch ſeyen; eine Steigerung der Gährung in den Grundſtücken iſt aber bedingt:
a) durch die Anwendung heterogener, organiſcher Körper, und
b) durch eine ſorgfältige Bearbeitung derſelben.


