Druckschrift 
Die Ernährung der Pflanzen und die Statik des Landbaues : gekrönte Preisschrift / von F[ranz] X[aver Wilhelm] Hlubek
Entstehung
Einzelbild herunterladen

XV

Seine Methode ſoll auf die ſeitdem erworbenen neuen Er kenntniſſe der Natur angewendet werden, und jeder derſelben ſoll, wenn möglich, jener Grad der Sicherheit und Feſtigkeit gewährt werden, deſſen wir uns in der klarſten und ſicherſten aller Wiſſenſchaften, der Mathematik, mit Recht erfreuen.

Mögen die mathematikſcheuen Landwirthe Pascal, Fer⸗ mat, Laplace und Quttelet befragen, woher die Er ſtern die Einheit zu ihrer Wahrſcheinlichkeits-Rechnung(Trac- tatus de ludo aleae, Baſel 1713, und Theorie analitique des probabilités, par Laplace, Paris 1820), und Letzterer zur Berechnung der menſchlichen Fähigkeiten(Brüſſel 1837, deutſch von Dr. Riecke, Stuttgart 1838) entnommen haben.

Sollen unſere Erfahrungen ſchwankender ſeyn, als der Zu fall eines Spiels, als die Theorie über Muskel- und Nerven⸗ thätigkeit?

Die Mathematik iſt eine bloße Form unſers Denkens. Sie verkörpert unſere Gedanken, Anſchauungen und Erfahrungen durch Zahlen oder Linien, und indem ſie dieſe theils unterein ander, theils miteinander verknüpft, bahnt ſie dem menſchli⸗ chen Verſtande den Weg der Conſequenz und Zuverläſſikeit. Als die Form unſers Denkens und die bildliche Darſtellung un ſerer Schlußfolgerungen erſcheint ſie als der Mittelpunct aller Wiſſenſchaften, aus welchem ſie, in Beziehung auf die Art ih rer Behandlung, wie die Radien eines Kreiſes entſpringen.

Die Grundſätze einer jeden Wiſſenſchaft ſind in dem Ver hältniſſe unerſchütterlicher, als ſie ſich auf die mathematiſche Baſis ſtützen, und ihre künftige Vervollkommnung und An wendung läßt ſich vorzugsweiſe darnach beurtheilen, ob ſie der mathematiſchen Behandlung mehr oder weniger zugänglich ſind.

Die Aſtronomie, Phyſik und Chemie waren zur Zeit der Grie chen und Römer ein Gegenſtand der Philoſophen, ein Aggregat von Muthmaßungen, einzelnen, iſolirten Thatſachen und Hypothe⸗ ſen ohne allen wiſſenſchaftlichen Werth; und erſt zu jener Zeit,