12 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien.
die er von den gewöhnlichen Seidenraupen nach Verſchiedenheit der Nahrung erhalten hatte, die man ihnen vorlegte.
Die feinſte Seide erhielt er von wilden, d. h. unge⸗ pfropften Baͤumen; die zweit feinſte bekam er von der neuen Art Baume; die dritte Sorte vom gepfropften weißen Maul⸗ beerbaume, und die letzte endlich vom ſchwarzen Maulbeer⸗ baume.
Sollte es ſich bewähren, daß die Blätter der neuen Baumart eine feinere Seide hervorbringen, als die der gepfropften, und gibt dieſer Baum eben ſo viel Bläͤtter, als in gleichen Jahren der gemeine, ſo würde ſein Nutzen ſehr bedeutend ſein, und er müßte allgemein eingeführt werden; denn man gewänne nebſt der größten Feinheit der Seide auch noch ein Jahr in ſeiner Erziehung, weil man ihn nicht zu pfropfen braucht. Leider braucht man aber zu ſolchen vergleichenden Verſuchen viele Jahre, vielleicht ein Jahrhundert, bis man ſich von den Eigenthümlich— keiten dieſes Baumes genügende Kenntniſſe erworben hat, um mit Sicherheit beſtimmen zu können, in wie ferne er dem weißen gepfropften vorgezogen oder nachgeſetzt zu werden verdient!—
Die Fortpflanzung der Maulbeerbäume durch Schnittlinge ſcheint in Italien unbekannt zu ſein, denn die Schriftſteller ſchweigen hievon, und bei keinem Landwirthe oder Gärtner ſah ich ſie angewendet, und doch dünkt mich, daß ſie große Auf— merkſamkeit verdiene, waͤre es auch nur, daß man hiebei das Pfropfen erſpart, wenn man veredelte Reiſer einlegt.
Das Ausſetzen der Baͤume in die Felder geſchieht immer im Maͤrz. Man macht ſchon im Herbſte große Gruben, und füllt ſie jetzt im Grunde mit vegetabiliſchem Dünger, und oben über mit guter Erde, die mit abgefaultem Stalldünger zum Theile gemiſcht iſt. Man iſt allenthalben von der Nothwendigkeit ſo ſehr
überzeugt, den jungen Baumen einen guten Standort zu be— reiten, in dem ſie anfanglich ihre Wurzeln verbreiten, daß man es in dieſer Hinſicht ſelten wo fehlen laͤßt, beſonders da, wo der ſandige und ſteinige Boden an und für ſich zu wenig


