Teil eines Werkes 
1 (1831) Reise durch Ober-Italien. 1
Entstehung
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3⁰4 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien.

der Rebenſorte und von der Pflege, die ſie erheiſcht, entweder gar keine oder höchſt unvollkommene Kenntniſſe haben. In Hin⸗ ſicht der Rebencultur, ſo wie des Ackerbaues, ſtehen die Italie ner den Deutſchen weit nach. Vielleicht aber würden unſere Wein⸗ garten am Rhein und in Oſterreich eben ſo ausſehen, und eben ſo ſchlechten Wein geben, wenn wir Colonen hätten und uns bloß damit befaßten, die höchſt mögliche Quote des Rohertrags als Pacht von ihnen zu erhalten, und uns um die Bearbeitung und Benützung des Bodens nicht kümmerten.

Was die Qualitaͤt des Weins betrifft, ſo iſt ſie ſehr verſchieden, je nachdem es Boden- oder Hügelwein iſt. Boden⸗ wein, d. h. Wein, der in der Ebene in berebten Ackern erzeugt worden iſt, erlangt aus ſehr leicht begreiflichen Gründen nicht jene Süßigkeit, die ſich in der Folge in Geiſt verwandelt, wie Hügelwein. Wenn man aber die Warme des Clima, und an vielen Orten die paſſende Bodenmiſchung betrachtet, ſo muß der herbe, ſaure, geiſtloſe Wein auffallen, der den Fremden in den erſten Gaſthäuſern, von Venedig angefangen bis Pavia, zum Trinken vorgeſetzt wird, der ſo ſchlecht iſt, daß man von Jugend auf an ein ſolches ſchlechtes Getränk gewohnt ſein muß, um es erträͤglich oder gar gut zu finden. Die Ronchi liefern zwar beſ ſern Wein, und in einigen Gegenden mögen ſie wohl auch gut ſein, wie ich mich z. B. erinnere, in Vicenza, vorzüglich aber in Valleggio am Mincio welchen getrunken zu haben; al lein im Ganzen iſt auch der Hügelwein nur wenig beſſer, und der Wein der ſchönen Hügel der Brianzaiſt ein elender Krä zer gegen die herrlichen Weine von Iſtrien.

Die Urſache, warum man in Ober⸗Italien im großen Durch⸗ ſchnitte nur ſchlechten Wein findet, liegt einzig und allein in dem Umſtande, daß man ſich um die Auswahl der Rebenſorten gar nicht kümmert, und es ganz und gar dem Colon überläßt, welche Sorte er nachpflanzen will, der ſich aber immer ſträͤuben wird eine ſolche zu pflanzen, die er ſelbſt entweder gar nicht oder nicht in genügender Menge hat, für deren Beiſchaffung er eine