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2. Mai. Venedig. 11
glaube, man irrt ſich hierin gewaltig, vielleicht um mehr als die Haͤlfte.
Beim Zurückfahren von Murano, ſtieg ich bei der Kirche San Giovannie Paolo ab; beſah zuerſt die Reiterſtatue, welche die Republik 1495 ihrem General Bortolo Colleone ſetzen ließ. Es gefiel mir, daß das Pferd auf drei Füßen ſteht und nur einen hebt, und doch offenbar im Gehen ſich befindet. Die geharniſchte Figur des Reiters iſt voll Leben.
Die Kirche iſt zuverläſſig die reichſte an Monumenten. Es ſind hier mehrere Mauſoleen von Dogen, die an Pracht mehr als königlich ſind. Mich ergriff jetzt, wie vor 22 Jahren, tiefe Wehmuth beim Anblick der Urne, in der die Haut des Gene— rals Ant. Bragadino liegt, den die Erbfeinde der Chriſten— heit und aller Humanität 1571 lebendig ſchinden ließen, weil er Famagoſta auf Cipern tapfer vertheidigt hatte.
Nach Tiſch fuhr ich nach der Kirce San Giorgio maggio⸗ re; ein herrliches Gebäude, das die Benedictiner, denen es ge— hörte, zufolge der Inſchrift ober dem Thore: Aere monastico, errichten ließen. Hier wurde der Papſt PiusVII. 1700 erwählt. Jetzt iſt das Kloſter aufgehoben und die Wohngebäude werden zu Magazinen und Depoſitorien für die Waaren des Freihafens verwendet; denn bekanntlich genießt die kleine Inſel, worauf die Kirche mit dem Kloſter ſteht, die Privilegien eines Freihafens.*) Die Kirche, ein Werk Palladio's, der ſo viel in Venedig und andern venezianiſchen Städten bauete, iſt ungemein freund— lich. Die ſchöne Kuppel iſt eine weſentliche Zierde der Kirche. Das Bodenpflaſter iſt ſo ſchön und ſo wohl erhalten, als wenn es geſtern erſt gelegt worden wäre, obgleich es ſchon ſeit 200 Jah— ren von den Füßen der Glaͤubigen betreten wird. Die Sitze im Chor der Mönche ſind eine doppelte Reihe von hölzernen Bän⸗ ken, die abgetheilt ſind, 44 in einer Reihe, alſo 38 ohne den
*) Seit dem 1. Hornung 1330 iſt die ganze Stadt Venedig ein Freihafen.


