4 1. Mai. Venedig.
reicht, und am Schiffe ein reinliches, ja wohl elegantes Zim⸗ mer findet und alle Arten Erfriſchungen haben kann.
Die Fahrt iſt gefahrlos, bis man in die Naͤhe der Lagunen kömmt, wo das Fahrwaſſer öfters von Untiefen unterbrochen wird, und die Sondirſtange fleißig angewendet werden muß.
Um 9 Uhr Abends fuhren wir von Trieſt weg, und um 5 Uhr Morgens bekamen wir Venedig zu Geſicht, erſt BSurano, dann San Nicolo di Lido. Die vielen, mit Kirchen und Gebäuden bedeckten Inſeln, die der Stadt zur Seite liegen, end— lich die Stadt ſelbſt mit ihren Palläſten und zahlloſen Kirchen, die allenthalben ihre Thürme erheben, machen anfaͤnglich einen ſehr freundlichen Eindruck, der llgemach, wie man näher kömmt, in Bewunderung und endlich in Erſtaunen übergeht, wenn man an die Piazzetta gelangt und den Pallaſt der frü⸗ heren Fürſten, die neuen Procuratie n, die Münze und die nahen Kirchen: San Giorgio und Maria di Salute, ſieht.
Ich wollte in der Naͤhe des Hauptplatzes wohnen und ſtieg daher im Gaſthauſe alla Luna ab, welches hart hinter dem neuen Pallaſte liegt, der die beiden Procuratien verbindet. Ich hatte keine Urſache, mit meiner Wahl unzufrieden zu ſein; das Zimmer war reinlich, geraumig, mit guten Möbeln und einem Bette verſehen, in dem wohl vier Menſchen Platz gefunden haͤt⸗ ten; die Bedienung freundlich und die Preiſe billig.
Ich konnte dem Drange nicht widerſtehen, noch vor dem Frühſtücke einen Gang auf den großen Platz zu machen. Ich trat ein durch die Säulenhalle des neuen Pallaſtes, und ward durch die Großartigkeit und Schönheit der Gegenſtaͤnde, die ſich meinen Blicken darſtellten, angenehm überraſcht; denn ich fand Alles ſchöner, größer und bewundernswürdiger, als ich es mir vorgeſtellt hatte. Ich fürchtete, daß es mir mit Venedig gehen würde, wie mit andern Städten, die ich in meiner Jugend ſah, wo Einem Alles ſchön vorkömmt, und die ich in vorgerück⸗ ten Jahren, als ich ſie wieder beſuchte, nachdem ich mehr von der Welt geſehen und mir einen andern Maßſtab für Größe und
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