1. Mai, 1828.
Fahrt von Trieſt nach Venedig. Dampfſchiffe. Anſicht von Venedig. Mar⸗ cusplatz. Marcuskirche. Kaffeehäuſer. Öffentlicher Garten. Großer Ca⸗ nal; Palläaſte längs deſſelben; Bauart und Materiale derſelben. Theater San Luca.
Als ich im Mai 1806 das Erſtemal von Trieſt nach Venedig fuhr, war die Verbindung zwiſchen dieſen beiden Staͤdten noch ſo gering, daß weder ein Poſtſchiff, noch ein Paketboot zwi— ſchen denſelben eine regelmäßige Fahrt machte. Ich fuhr auf ei— nem Trabaccolo, der kleinſten, zum Küſtenhandel beſtimm— ten Art Schiffe, nach Venedig, und kam nach einer Fahrt von 36 Stunden erſt daſelbſt an, nachdem das Schiff 10 Stunden zwi— ſchen Pirano und Grado bei einer völligen Windſtille ſich nicht bewegte, und dann andere 10 Stunden durch ein Gewitter ge— waltig herumgeworfen wurde. Jetzt fuhr ich mit dem Dampf⸗ ſchiffe, das mich in einer heitern, mondhellen und windſtillen Nacht in 3 Stunden von Trieſt nach Venedig brachte. Gegen⸗ wartig beſtehen zwiſchen dieſen zwei Städten 3 Dampfſchiffe und 9 Paketböte— Corriere— und ſo eben wird ein viertes Dampfſchiff gebaut, das nicht durch die Schaufeln der an den Seiten des Schiffes befindlichen Ruder, ſondern durch ein am Hintertheil des Schiffes, unter dem Waſſer angebrachtes, ſchnecken- oder vielmehr bohrerförmiges Triebwerk, bewegt wer⸗ den ſoll.
Ein Englaͤnder— Morgan— hat das Monopol der Dampfſchiffahrt auf 15 Jahre, und gewinnt bei dem großen Ver⸗ kehr, der zwiſchen Trieſt und Venedig beſteht, und dem anſehnli⸗ chen Frachtgelde, das er ſich zahlen läßt, eine bedeutende Summe. Es zahlt aber Jedermann gern die Taxe von 10 Gulden, weil
er weiß, daß er in wenigen Stunden das Ziel ſeiner Reiſe er⸗ 1*


