„Soll es Verdienſt ſein, den Acker von Steinen zu reinigen, damit nicht herrliche Keime erſtickt werden; hingegen Tadel verdienen, wenn man den Keimen menſchlicher Kräfte Raum ſchafft und Freiheit, ſich zu entwickeln? Wie viele ſich entwickeln, wer mag es wiſſen?“
„Millionen ſorgen dafür, daß die Gattung beſtehe;
Aber durch Wenige nur pflanzet die Menſchheit ſich fort.
Tauſend Keime zerſtreuet der Herbſt, doch bringet kaum Einer
Früchte, zum Element kehren die meiſten zurück. Aber entfaltet ſich auch nur Einer: Einer allein ſtreut Eine lebendige Welt ewiger Bildungen aus.“ (Schiller. Er ſelbſt— wie viel hat er ausgeſtreut!)
„Es bleibt vollkommen wahr, wie paradox es auch klinge:„„bei der Unmöglichkeit, die Anlagen und Fähigkeiten im Voraus berechnen zu können, darf der Erziehung des Bauernſohnes kein anderes Princip zum Grunde liegen, als der Erziehung des Fürſtenkindes.““ Dieß Grund⸗ princip fordert aber keineswegs Verfeinerung, Unterricht in allen mög— lichen Sprachen, Künſten, Wiſſenſchaften und Fertigkeiten; es fordert zunächſt, daß die edle Natur der Individuen, die Beiden nur gemein iſt, geachtet, zu jedem Beruf und Geſchäft geſchickt gemacht, und in jedem Verhältniſſe auf Humanität hingearbeitet werde.“
Niemeyer, Grundſätze der Erziehung und des Unterrichts, I. Theil. Halle, 9. Ausg. 1834, Seite 384.
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