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aus beiden Staͤmmen im Laufe der Zeit Nachkoͤmm⸗ linge erzielen, die ſich ſo vollkommen aͤhnlich ſind, daß man ſie ohne weiteres fuͤr die Fruͤchte eines und des⸗ ſelben Stammes haͤlt.— So ſehr man mich auch wegen dieſer ſchon ſonſt ausgeſprochenen Anſicht ver⸗ ketzert hat, ſo kann ich um ſo weniger davon ab⸗ gehen, als mich meine fortgeſetzten genauen Beob⸗ achtungen nur immer mehr darin beſtaͤrkt haben. So bleibt es in allen Lebensverhaͤltniſſen wahr, daß diejenigen, welche ſich auf irgend eine Meinung ver⸗ ſetzen, und alle Andersdenkenden verdammen, nicht allein ſelbſt im Irrthume verharren, ſondern auch ſich eines ungerechten und liebloſen Urtheils gegen Andersdenkende ſchuldig machen.
Wie ſchon geſagt, iſt bei dem Edelſchaf die Wolle der Haupt- und faſt einzige Geſichtspunkt, aus dem man es betrachtet und beurtheilt. Nun gibt es aber Wolle von verſchiedener Bildung und Natur, mit Einem Worte von verſchiedenem Charakter, und dennoch findet eine jede ihre Liebhaber, indem ſich die eine zu dieſen, die andere zu jenen Stoffen vor⸗ zugsweiſe eignet. Daraus folgt denn, daß es auch unter den Edelſchafen verſchiedene Arten geben muͤſſe, die nach dem Verhaͤltniß, als ihre Wolle mehr oder weniger zu vorzuͤglichen Stoffen geeignet iſt, auch in ihrem individuellen Werthe hoͤher oder tiefer ſte— hen. Welche Gradation d dadurch unter den verſchie⸗ denen Arten entſteht, das werden wir im zweiten Capitel, welches von der Wolle handelt, ſehen.


