Urſprung der Aergeräthſchaften.
Jahrhunderte verfloſſen, ehe wir die Kultur»- ſiufe erreichten, auf welcher wir dermalen ſtehen, Wir erfreuen uns der Erfindungen und Vervoll- Fommnungen, mit welchen der menſchliche Geiſt alle Gewerbe bereicherte, ohne zu bedenken, wie viel Nach- denken, wie viele Zeit, Anſtrengungen und günſtige Zu» fälle nöthig waren, um eine|o große Anzahl von Inſtrumenten und Maſchinen, die heut zu Tage unſere Kraft verhundertfahen, zu entde>en und zu vervollkommnen. Welche unermeßliche Kluft liegt nicht zwiſchen den zwey Stäben, deren ſich der Indier von Chili zur Umarbeitung der Erde bediente, und Swalls Pfluge! Welcher Gewinn an Kraft und Zeit! Welcher Unterſchied in den Wirkungen!
Würde man auf den Urſprung der Künſie zu- rückgehen, und die Fortſchrittz derſelben verfolgen: würde man den Einfluß, den die Wiſſenſchaften auf die Cuviliſation ausgeäbt haben, unterſuchen: ſo azürde man auch zu der Ueberzeugung gelangen, daß nur ſie allein, durc; Entwicklung und Vervoll- Ffommnung der menichlichen Vernunft, den Men ſchen erheben, ihn zu eine: vollkommnern geſe?- ſchaſtlichen Ordnung und zu einer höhern Stufe von Tugend? und Glück leiten können.
Das Bergeſſen aller der uns durch unſere Vorfahren zu Theil gewordenen Wohlthaten, das Cifern gegen Aufklärung, gegen Vervoilkommnung und gegen nüßliche Neuerungen, kann nur aus dem Munde der Unwiſſenden, des Egoiſten und Verdorbenen kommen, welc<e eben hierdurch den Menſchen ſo lange im Gängelbande der Kindheit erhielten, und ihn nöthigten, ſic) viele Jahrhun- derte hindurch blos von Früchten oder wilden Thie ren zu nähren,' ſic) mit dem Fe? dieſer Thiere zu bedeFen, und ſo wie ſie zu wohnen und zu leben,
Zweyter Band» Zehnte Lieferung,
Die wahre Civiliſation, zu der wir übrigens no nicht gelangt ſind, die Tugend, die Moral, kön- nen ſich nur durch die Geiſteskultiur unter den Mens- ſchen vervollkommnen und verbreiten. Das Giu>k der Jndwiduen, das der Zwe> jeder menſchlichen geſelligen Vereinigung iſt, wird bey einer Nation um ſo größer ſeyn, je mehr Künſte und Wiſſen» ſchaften von einer größern Anzahl ihrer Individuen gepflegt und einen je höhern Grad von Vollkom- menheit ſie erreicht haben werden, Dieß 1ſt eine Wahrheit, die ſich in jeder Cpode der Völker-Ge- ſchichte, und nod) mehr bey der Geſchichte der Kün- ſte bewährt, und die zugleich zu einer völligen Re- form des barbariſchen Unterrichts in unſern europäi? ſc<en Schulen auffordert, wo gemeiniglich Worte und Redensgarten die Stellz der Sachen und der po? fitiven Kenntniſſe vertreten. J<< bemerke hier nur im Vorbeygehen, daß der gegenſeitige Unterricht, wenn er ſeinem wahren Geiſte nach ertheilt und zwe>mäßig nach reiter Methode betrieben würde, von unbe- rechenbaren Folgen in ſeiner Wirkung werden durfte,
Verfolgen wir aber je:t den Gang des menſch»- limen Geiſtes bey der Erfindung und Vervollkomm- nung der Akergeräthſchaften. Der Menſch fieng das mit an, zu beobachten, daß ein in die Erde gefalle» nes Samenkorn ſich reproducirte und Früchte lieferte, Er ſuchte nun diejenigen zu vermehren, die er zu ſeiner Nahrung tauglich fand, Er bede&&te fie mit Erde, damit ſie keine Beute der Thiere würden. Er bemerkte, daß die Vegetativn ſich weit kräftiger zeigte, die Production um vielzs zunahm, wenn der Boden umgearbeitet ward. Er wiuhite ihn mit einem vorgerichteten Pfahl um, Er fand, daß die Arbeit ſchneller von ſtatten gieng, wenn er zwey zugleich dazu gebrauchte. So entſtand die Beſtellungsweiſe, die noch gegenwärtig,
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