Was aber den größten und beträchtlichsten Unterschied macht, ist das Säen im Großen. Wie regelmäßig dies immer geschehen möge, so erhalten dabey die aus— gestreueten Körner doch nie die bestimmte Entfernung von einander, und kommen nicht so tief in die Erde, wie bey Versuchen im Kleinen, welches letztere doch so sehr die Anzahl der Halme aus derselben Wurzel vermehrt. So findet man, daß ein Korn in gewöhnlicher Gartenerde mit 6 Zoll Zwischenraum gesteckt, 40 bis 50 Aeh⸗ ren giebt, wogegen es auf dem Felde, aufs allerhöchste gerechnet nicht über bis 8 Aehren hervorbringt. Man sieht hieraus, wie sehr dies die Ergiebigkeit im Kleinen
vermehren müsse. Betrachtet man dann noch den hier vorwaltenden Unterschied unter
der Entfernung der Körner von einander, gegen das was sie im Großen ist, und die darauf beruhende Ungleichheit in der Menge der Aussaat: so trägt dies nicht minder zu unrichtigen Schlüssen von der Fruchtbarkeit der Kornarten bey.
Brauchte man, zum Beyspiel, zu einem gewissen Stücke Landes, nach der ge— wöhnlichen Art zu säen, eine Tonne Gerste, und man besäete eben so viel Land mit einer andern Gerstenart, aber mit solchem Abstande zwischen den Körnern, als bey Versuchen im Kleinen, so würde man noch nicht die Hälfte davon nöthig haben. Ge⸗ setzt, jedes dieser Stücke Landes brächte 7 Tonnen, so würde das erste am dichtesten gesäete, nur siebenfältig getragen haben, das letzte hingegen 14fältig. Nun müßte ein Jeder diese, die vierzehnfältig getragen, für weit fruchtbarer halten als jene, die nur siebenfältig trug; und sie haben doch nur einerley gegeben.
Um meine Versuche im Kleinen, der Behandlung im Großen desto mehr zu nähern, suchte ich dieser auf alle mögliche Art nachzuahmen. Zwar stellte ich meine Versuche in einem Garten an, dieser war aber vor kurzem erst freyes Feld gewesen, und der Boden nicht von besserer Beschaffenheit als außerhalb desselben. Es war eine mit Sand vermischte Dammerde, die noch nicht durch Graben los und locker geworden. Das Saatkorn nahm ich vor der Faust, ohne die besten Körner auszu⸗ suchen, und säete gleichviel in gleichgroßen Stücken Landes, nicht dichter oder weit— läufiger als auf dem Felde, und ohne Ordnung. Die Saat wurde untergehackt und kam nicht tiefer, als wenn sie untergeegget worden. Die Saatzeit war gegen Aus⸗ gang Aprils, und darum etwas zeitiger als gewöhnlich, damit die sechszeilige Gerste, die eigentlich Winterkorn ist, zu größerer Vollkommenheit gedeihen möchte.
Der Ausschlag dieser Versuche war folgender:
Die sechszeilige Gerste ging früher auf, als die andern, schien die damals im Mai eintretende Kälte besser zu ertragen, kam aber nicht so dicht als die übrigen Arten.


