Druckschrift 
Des Jacobi Barozzi von Vignola Grund-Regeln über die fünff Säulen / auffs neue zum fleissigsten übersehen, mit unterschiedenen nöthigen Regeln vermehret und mit 50 Rissen in Kupffer erläutert durch Johann Rudolph Fäsch
Einzelbild herunterladen

24 8(O) e

Die andere Manier: Wenn die Höhe der Säule samt de⸗ ren unterster Stärcke und oberster Verdünnung verzeichnet ist, so reisset man von m. nach n. eine blinde Linie. Hernach trägt man das Spatium m. o. von o. nach p. und ziehet p. g., der Basi Pa- rallel. Weiter trägt man das Spatium p. q. nachr. und ziehet die Linie r. s. und also auch mit denen übrigen. Das übrige kan man aus der Eigur 2. deutlich ersehen, allwo das unterste Spa- tium o. p. wiederum in die Helffte ist getheilet worden, zur kleinen Windung.

XXII.

Von Ausschnitzung der gewundenen Säulen. 8 M zu exweisen, daß die gewundenen Säulen durch Schnitz⸗ Wercke ein reiches Aussehen bekommen, habe ich vor dienlich erachte, davon zwey der schönsten Beyspiele vorzustel⸗ len.

Pabst Urbanus VIII. hat an der Rotunda das Ertz abneh⸗ men und daraus Stücke vor das Castel St. Angelo, wie auch die Säulen unter dem Schwebe⸗Himmel des grolssen Altars bey St. Feter giessen lassen, wobey der Cavalier Bernini Bau-⸗Mei⸗ ster gewesen ist. Es tragen über diesem Altare 4. frey⸗stehende gewundene Säulen dem ausgeschnitzten Himmel. Der Durch⸗ Messer von besagten Säulen ist über drey Fuß. Das untere Drittheil ist mit Aushötung umwunden. Das übrige ist mit Wein⸗ Reben und Blattwerck, samt darein gewickelten Kindern aus⸗ geschnitzet, von der Hand des berühmten Holländers Quesnoy. Der Knauff und das Gebälcke sind Römischer Ordnung, und ge⸗ het nur der Crantz von einer Säule zu der andern. An statt des Unter⸗Balckens und Bortens hänget ein Flinterwerck, welches unter den Crantz angehänget ist. Die proportion des Ge bälckes verhält sich gegen der Säule zwischen den vierten und fünfften Theil, und der Säulen⸗Stuhl, so von Marmor 1 ä alt